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ſchreibt. In jedem kleinen Kummer der Kindheit ſtiehlt ſie ſich an der Mutter Knie; aber bei jedem jugendlichen Impuls der Freude, bei jedem helleren Aufblitzen des fortſchreiten⸗ den Verſtandes eilt ſie an die Bruſt des Vaters. Süße Helen, du haſt ſie dies gelehrt, wie du ſelbſt in deinem kindlichen Leben die Schatten für dich nahmſt und dem Auge deines Gefährten nur das roſige Licht ließeſt!
Doch hiemit ſoll das Bild von Helen nicht geſchloſſen ſeyn. Auch das Ideale kann ſeinen Zweck nur erfüllen durch die Verbindung mit dem Wirklichen. Selbſt in der Einſam⸗ keit hängt der Schriftſteller von ſeiner Mitwelt ab.
Leonard hat endlich das Werk zu Ende gebracht, das die Luſt und die Arbeit ſo vieler Jahre war— das Werk⸗ welches er für die Blüte ſeiner geiſtigen Weſenheit betrach⸗ tet und dem er alle die Hoffnungen vertraute, welche das Geſchöpf. von heute mit den Generationen der Zukunft in Verbindung bringen. Die Arbeit iſt im Druck erſchienen; mit der unermüdlichen Geduld des Künſtlers hat er über jeder Zeile gezögert und den geformten Gedanken nicht aus den Händen gelaſſen, ſo lang der Meißel noch einen ver⸗ beſſernden Zug anbringen konnte. Er hat eine Einladung
von Norreys angenommen, und in unruhiger Aufregung, wie er ſie ſeit ſeinem erſten glücklichen jungfräulichen Ver⸗ ſuche nicht mehr fühlte, iſt er nach London geeilt. Uner⸗ kannt in der ungeheuren Hauptſtadt, drängt ihn die Begier, zu erfahren, ob die Welt das neue Band anerkennt, das er zwiſchen ihrem rührigen Treiben und ſeiner abgeſchiedenen Thätigkeit gewoben hat. Und das Werk erſchien zu einer Bulwer, meine Novelle. 136


