Teil eines Werkes 
12.-17. Bändchen (1853)
Entstehung
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ungünſtigen Stunde. Andere Dinge beſchäftigten die Oeffent⸗ lichkeit; die Welt hatte nicht Zeit, auf ihn zu achten, und das Buch drang nicht in die großen Kreiſe der Leſer. Aber ein wilder Recenſent iſt darüber hergefallen und hat es ver⸗ ſtümmelt, verzerrt und entſtellt, indem er Schönes und Man⸗ gelhaftes in einen Guß ſpottenden Lächerlichmachens zu⸗ ſammenſchmolz. Und die Schönheiten haben noch keinen Ausleger, die Mängel noch keinen Vertheidiger gefunden; und der Buchhändler ſchüttelt den Kopf, deutet auf die ächzenden Simſe und gibt mit Zartheit zu verſtehen, daß das Werk, welches der Inbegriff des geheiligten Lebens im Le⸗ ben ſeyn ſollte, den Geſchmack des Tages nicht getroffen habe. Leonard denkt an die Jahre, welche ſeine ſtille Arbeit ihn koſtete, und fühlt, daß er die reichſten Minen ſeines Gei⸗ ſtes erſchöpft hat. Er weiß, daß lange Jahre entſchwin⸗ den müſſen, eh' er das Ideenkapital erſetzen kann, welches nöthig iſt, um neue Schachte abzuteufen und friſches Erz zu Tag zu fördern. Ob der Vereitelung ſeines höchſten Ziels hat ihn tiefer Kleinmuth ergriffen; denn alle ſeine früheren Leiſtungen ſind mit inbegriffen in dem Fehlſchlagen des letz⸗ ten krönenden Erfolgs. Sein ganzer Ehrgeiz als Schtift⸗ ſteller erſcheint ihm unwiederbringlich als ein verfehltes Stre⸗ ben; ſein Wirken im Reich der Ideale kommt ihm wie ein werthloſer Traum vor, und das Antlitz des Idealen ſelbſt iſt für ihn getrübt. Sogar Norreys bemerkt unverhohlen, obſchon wohlmeinend, gegen ihn, daß vas Leben in einer Groß⸗ ſtadt ein weſentliches Bedürfniß ſey, wenn der Schriftſteller eine geſunde Anſchauung gewinnen wolle von den intellef⸗

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