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denn wenn es einen Punkt gibt, in welchem ſelbſt die ver⸗ ſtändigſten Männer kurzſichtig ſich zeigen, wofern ihr Auge nicht durch die Eiferſucht geſchärft wird, ſo iſt dies die Wahr⸗ ſcheinlichkeit, daß ein anderes männliches Weſen Liebe einflö⸗ ßen könne. Sogar die am wenigſten Eitlen aus dem backen⸗ bärtigen Geſchlecht halten es für räthlich, ſich in Acht zu nehmen, daß ſie nicht allzu unwiderſtehlich werden für die Schönen, während Jeder von ſeinem Freunde ſagt:„Er iſt ein grundguter Kerl, aber wohl der letzte, in den ſich ein Frauenzimmer verlieben wird!“
Aber freilich ſchien bei oberflächlicher Betrachtung in dem vorliegenden Falle Harley mehr als gewöhnlichen An⸗ laß zu ſeiner Kurzſichtigkeit zu haben.
Worin auch Beatrice's beſſere Eigenſchaften beſtehen mochten, jedenfalls galt ſie allgemein für weltlich und ehr⸗ geizig. Sie befand ſich in einer drückenden pecuniären Lage und war an ein verſchwenderiſches Leben gewöhnt; wie ließ ſich alſo erwarten, daß ſie einen Verehrer von ſo niedriger Geburt und ſo beſcheidenen Vermögensverhältniſſen, als die unſeres aus dem Bauernſtand hervorgegangenen Schrift⸗ ſtellers waren, auszeichnen würde? Die Eroberungsluſt konnte ſie wohl zu dem Verſuch bewegen, ſeine Bewunderung gewinnen und ſeine Phantaſie bezaubern zu wollen; aber vorausſichtlich wahrte ſie ihr eigenes Herz mit dem dreifachen Panzer des Stolzes, der Armuth und der conventionellen Anſichten jener Welt, in welcher ſie lebte. Hätte Harley es für möglich gehalten, Madame di Negra könnte von ihrer Stellung herabſteigen und einer zwar unklugen, aber
Bulwer, meine Novelle. 90


