702
Viehmarkt geweſen, und ich glaube, wir haben wohl fünfzig Farmer und Ochſentreiber im Hauſe.“
„Oh, was dies betrifft, ſo kann ich mich ja in dem Schlafſtübchen aufhalten, das Ihr mir anzubieten ſo gut waret. Und wenn es Euch nicht zu viel Mühe macht, ſo wäre es mir lieb, wenn Ihr mir etwas Thee dahin ſchaffen wolltet. Es hat übrigens keine Eile damit. Ich will Euch in keiner Weiſe läſtig fallen.
Die Wirthin nahm dieſe Rückſicht für ſie, an die ſie bei ihren derberen Kunden nicht gewöhnt war, ſehr gnä⸗ dig auf.
„Ihr ſeyd ſehr höflich, Sir, und wir wollen unſer Beſtes thun, um Euch zu bedienen, Ihr müßt eben Nachſicht mit uns haben. Hier herein, Sir.
Leonard nahm ſeinen Reiſeſack vom Rücken, trat in die Hausflur, brach ſich mit einiger Schwierigkeit Bahn durch eine Gruppe von ſtämmigen Rieſen in Stulpſtiefeln oder Lederkamaſchen, die am Schenkverſchlag ein⸗ und ausſchwärm⸗ ten, und folgte der Wirthin die Treppen hinauf nach einem leinen Schlafſtübchen unter dem Dache.
„Es iſt zwar klein und unter dem Dache, Sir,“ ſagte die Wirthin entſchuldigend.„Aber es ſind vier Herrenfarmer da, die weit her kommen und den ganzen erſten Stock für ſich in Anſpruch genommen haben. Hier ſeyd Ihr übrigens mehr von dem Lärm abgeſchieden.“
„Ich bin vollkommen zufrieden. Doch halt— ich bitte um Verzeihung—“ und Levnard, der nach dem Kleid ſeiner Wirthin blickte, bemerkte jetzt, daß ſie nicht in Trauer war.


