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„Ich ſah auf dem Kirchhof dort ein kleines Mädchen bitter⸗ lich weinen— iſt ſie eine Verwandte von Euch? Das arme Kind! Sie ſcheint tiefer zu fühlen, als es in ihrem Alter gemeiniglich der Fall iſt.“
„Ach, Sir,“ verſetzte die Wirthin, den Zipfel ihrer Schürze nach den Augen führend,„dies iſt eine traurige Geſchichte, in der ich mir nicht zu helfen weiß. Ihr Vater erkrankte auf dem Weg nach London, mußte hier abgeſetzt werden, und vor vier Tagen hat man ihn begraben. Und das arme kleine Mädchen ſcheint keine Verwandte zu haben — und wohin ſoll ſie jetzt gehen? Der Advokat Jones ſagt, wir müßten ſie in das Kirchſpiel Marybone ſchaffen, weil ihr Vater zuletzt dort gelebt hat; aber was ſoll dann aus ihr werden? Das Herz blutet mir, wenn ich daran denke.“
Doch jetzt erhob ſich von unten ein ſolcher Lärm, daß man daraus entnehmen konnte, es müſſe dort zu Händeln gekommen ſeyn. Hiedurch an ihre Pflicht gemahnt, eilte die Wirthin hinab, um ihren begütigenden Einfluß geltend zu machen.
Leonard ſetzte ſich gedankenvoll an dem kleinen Gitter⸗ fenſter nieder. Es gab alſo ein ebenſo verlaſſenes Weſen in der Welt als er ſelbſt war. Und die arme Waiſe hatte kein kräftiges Männerherz, um den Kampf mit dem Schickſal zu beſtehen, keine goldenen Manuſkripte, die den Schätzen Aladdins gegenüber als„Seſam, thu' Dich auf“ dienen konnten. Im Lauf der Zeit brachte ihm die Wirthin ein


