Teil eines Werkes 
6.-11. Bändchen (1853)
Entstehung
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Die Sonne war jetzt hinunter; das Gras badete ſich in den Dünſten des Abends, und rings herum erhob ſich ein dichter Nebel. Der Jüngling ſetzte ſich an der Seite der Kleinen nieder und verſuchte ſie an ſeine Bruſt zu ziehen. Jetzt wandte ſie ſich haſtig und unwillig um und ſchob ihn mit eiferſüchtigen Armen bei Seite. Er entweihte das Grab! Seine tiefe Dichterſeele ließ ihn dies ſogleich erfaſſen, und er erhob ſich von dem Raſen. Jetzt trat eine Pauſe ein.

Leonard war der Erſte, der ſie unterbrach.

„Kommt mit mir, daß ich Euch nach Haus bringe. Wir wollen unterwegs von ihm reden.“

„Von ihm? Wer ſeyd Ihr? Habt Ihr ihn gekannt?“ entgegnete die Kleine, noch immer gereizt.„Geht nur fort— warum ſtört Ihr mich? Ich bringe hier Niemand Schaden. Geht— geht!“

„Aber Euch ſelbſt ſchadet Ihr, und dies wird ihn ſchmerzen, wenn er es von drüben ſieht. Kommt!“

Das Kind blickte durch die Thränen, die ſein Auge blen⸗ deten, auf, und das Antlitz des Fremden übte einen beruhi⸗ genden Einfluß.

„Geht!“ ſagte ſie im Ton flehentlicher Bitte, obſchon mit erſtickten Lauten.„Ich will nur noch eine Minute bleiben. Ich— ich habe noch ſo viel zu ſagen.“

Leonard verließ den Kirchhof und wartete draußen. Nach einer Weile kam auch die Kleine heraus; ſie winkte ihm zurück, als er ſich ihr nähern wollte, und eilte von hinnen. Er folgte ihr in einiger Entfernung nach und ſah ſie in dem Wirthshaus verſchwinden.