Teil eines Werkes 
6.-11. Bändchen (1853)
Entstehung
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zur Erde geſenktem Blick an ihm vorbeiging, das kleine Pförtchen, das in den Kirchhof führte, öffnete, und hinter demſelben verſchwand. Er hatte das Geſicht des Kindes nicht geſehen, aber in den Bewegungen deſſelben ſprach ſich eine ſo vollſtändige Achtloſigkeit, Trauer und Verlaſſenheit aus, daß er ſich in tiefſter Seele ergriffen fühlte. Was that ſie da? Mit lautloſem Schritte näherte er ſich der niedrigen Mauer und blickte mit geſpannter Aufmerkſamkeit hinüber.

Bei einem ſichtlich ganz friſchen Grabe, das nicht wie die übrigen mit Kreuz oder Denkſtein geziert war, hatte ſich die Kleine niedergeworfen und brach in ein lautes leiden⸗ ſchaftliches Schluchzen aus. Leonard öffnete gleichfalls das Pförtchen und näherte ſich ihr mit leiſen Tritten. Das Schluchzen des Mädchens wurde von einzelnen Ausrufen unterbrochen, die freilich ſo wirr und eitel waren, wie es alles menſchliche Grämen auf einem Grabe ſeyn muß.

„Vater— o Vater! Hörſt Du mich denn gar nicht mehr? Ich bin ſo allein— ſo verlaſſen! Nimm mich zu Dir— nimm mich zu Dir!“

Und ſie verbarg ihr Antlitz in dem tiefen Graſe.

„Armes Kind!“ ſagte Leonard in halbem Flüſtern. „Er iſt nicht hier. Blick' nach oben!“

Das Mädchen achtete nicht auf ihn. Er ſchlang ſeinen Arm ſanft um ihren Leib; ſie machte eine ungeduldige, un⸗ willige Geberde, wollte aber ihr Geſicht nicht umwenden und klammerte ſich mit beiden Händen an das Grab an.

Nach klaren ſonnigen Tagen fällt der Thau ſtärker.