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auch angelogen, wie er mich wegen Deiner anlügen wollte. Dann kam Dick herzu— ich hatte ihn ſo viele Jahre nicht geſehen— und wir ſtammen doch von den nämlichen Eltern her— und ſo— und ſo—“
Die Wittwe konnte vor Schluchzen nicht mehr weiter ſprechen.
„Ach!“ fuhr ſie fort, nachdem ſie dem Sturm ihrer Gefühle in ſolcher Weiſe Luft gemacht hatte, und ſchlang, während ſie in dem mit Sand beſtreuten Gaſtſtübchen der Schenke ſaßen, ihre Arme um Leonards Hals—„ach, und ich habe jetzt dies über Dich gebracht. Kehr' um— geh' wieder zurück, mein Kind, und kümmere Dich nicht um mich.“
Nur mit Mühe konnte Leonard die arme Mrs. Fairfield beſchwichtigen und dazu bewegen, daß ſie ſich zu Bette legte, denn ſie war wirklich im höchſten Grade erſchöpft. Dann trat er gedankenvoll auf die Straße hinaus. Die Sterne funkelten ſo ſchön, und die Jugend pflegt in ihrer Bedräng⸗ niß inſtinktartig nach den Geſtirnen aufzuſchauen. Leonard kreuzte die Arme und betrachtete den Himmel, während ſeine Lippen leiſe vor ſich hinmurmelten.
Aus dieſer Verzückung, wenn man ſie ſo nennen kann, wurde er durch eine Stimme mit entſchiedenem Londoner Accent geweckt. Er wandte ſich haſtig um und erkannte in dem Sprecher die gentlemaniſche Figur von Mr. Avenels Schenken. Leonards erſter Gedanke war, ſein Onkel habe ſein früheres Benehmen bereut und ihn durch dieſen Diener aufſuchen laſſen. Aber der Schenk ſchien über dieſe Be⸗
Bulwer, meine Novelle. 44


