Teil eines Werkes 
Band 4 (1851)
Entstehung
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Du mir es verzeihen, daß ich mich habe überwinden laſſen?

Wer wäre an Deiner Stelle nicht überwunden wor⸗ den, mein vielgeliebter Fabian! ſagte der Kanadier lächelnd.

Ich bin meinen Schwüren untreu geworden, Va⸗ ter! verſetzte Fabian;ich hatte Ihnen verſprochen, daß ich nur noch Sie lieben wollte. Oh! verzeihen Sie mir, verzeihen Sie mir!

O Kind, warum bitteſt Du mich um Verzeihung, während ich Dich darum bitten muß? ſagte Roſen⸗ holz.Du biſt großmüthiger geweſen, als ich, Fabian. Noch nie hat eine Löwin, die den Händen der Jäger ihr Junges entreißt, dasſelbe in ihre Höhle mit einer Liebe zurückgetragen, ſo wild, wie die, womit ich Dich von den Wohnungen der Menſchen wegzog, um mit Dir in die Wüſte zu gehen. Dort war ich glücklich, weil meine ganze Liebe ſich auf Dich concentrirte. Ich glaubte, daß auch Du es ſein müßteſt.

Du haſt nicht gemurmelt, Du haſt, ohne zu zö⸗ gern, die Schätze Deiner Jugend geopfert, Schätze, die tauſend Mal koſtbarer ſind, als die des Goldthales. Ich habe nicht gewollt, daß dieß ſo fortgehe, und bin, anſtatt großmüthig zu ſein, abermals nur ein Egoiſt geweſen: denn wenn der Kummer Dich umgebracht hätte, würde ich gleichfalls geſtorben ſein.

Was wollen Sie damit ſagen? rief Fabian.

Was ich damit ſagen will, Kind? Wer hat lange Nächte hindurch Deinen Schlaf überwacht, um auf Deinen Lippen die geheimen Wünſche Deines Herzens zu leſen?

Ich bin es.

Wer hat den Mann, den ich wegen Deiner Für⸗ bitte aus den Händen der Apachen errettete, bis hierher begleiten wollen? Wer hat denſelben an dieſes ſchöne und graziöſe junge Mädchen abgeſandt, um zu erfahren, ob ihr Herz für Dich ſchlüge?