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ganz andern Beweggrund unterſchob. Er dachte, ſie ſchicke für die Ruhe der Seele desjenigen, deſſen myſte⸗ riöſes Ende man ſo eben erfahren, inbrünſtige Gebete zum Himmel empor.
„Jeden Tag,“ ſprach der Hacendero,„wird auf mei⸗ nen Befehl der Kaplan, ein Jahr lang, eine Meſſe für Don Eſtevan leſen, denn dieſer Mann hat von dem Gerichte Gottes geſprochen, das in der Wüſte über ihn ergangen. Dieſe Worte ſind ſehr ernſter Art, und die Weiſe, in der er ſie geſprochen, läßt mich an ſeiner Wahrheitsliebe nicht zweifeln.“
„Gott erbarme ſich ſeiner Seele, wenn es nöthig!“ antwortete Roſarita aufſtehend.
„Gott nehme ſeine Seele in Gnaden auf!“ ſprach Don Aguſtin ſeinerſeits in feierlichem Tone;„es war keine gewöhnliche Seele— die Seele des edlen Don Eſtevan de Arechiza, oder, damit ich Dir es endlich ſage, Roſarita,— des Don Antonio de Mediana, zu ſeinen Lebzeiten Marquis von Caſarcel und Herzog von Ar⸗ mada!“
„Mediana ſagen Sie, mein Vater!“ rief das Mäd⸗ chen.„Wie? er wäre alſo ſein Sohn?“
„Von wem ſprichſt Du?“ fragte Don Aguſtin er⸗ ſtaunt.„Don Antonio war nie verheirathet. Was willſt Du denn damit ſagen?“
„O, gar Nichts, Vater, gar Nichts: nur iſt Deine Tochter nun unendlich glücklich!“
Während Dona Roſarita dieſe Worte ſagte, um⸗ ſchlang ſie den Hals ihres Vaters mit beiden Armen, ließ ihren Kopf auf ſeiner Bruſt ruhen, und fing an, zu ſchluchzen, und dieſelbe mit Thränen zu überſchwem⸗ men. Aber ihr Schluchzen hatte nichts Bitteres an ſich; die Thränen des Mädchens floſſen ſanft, wie der Thau, den der amerikaniſche Jasmin Morgens aus ſeinen pur⸗ purrothen Kelchen fallen läßt.
Der Hacendero, der das weibliche Herz nicht viel ſtudirt hatte, kannte die Wolluſt nicht, die für Frauen


