Teil eines Werkes 
Band 3 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ihr blaſſes Geſicht zeigte noch die Spuren ihrer Thränen, und der ſchlaflos verbrachten Nacht. Verge⸗ bens affektirte ſie einen Anſchein von Heiterkeit, wie die Sonne die feuchten Dünſte zu durchdringen ſucht, die das Gewitter vom vergangenen Tage im Oſten gelaſſen hat; allein wie die im Nebel begrabene Sonne hatten ihre Augen nicht mehr den Glanz, den man am ver⸗ gangenen Tage an ihnen bemerkt.

In dem Augenblicke, wo man zu Pferde ſteigen ſollte, als Don Aguſtin das Zeichen zur Abreiſe gab, klagte Roſarita über ein plötzliches Unwohlſein, deſſen Wirk⸗ lichkeit ihre Bläſſe nur zu ſehr rechtfertigte. Sie bat ihren Vater um Erlaubniß, allein bleiben zu dürfen.

Argerlich über dieſes neue Hinderniß, wollte der Hacendero, während er innerlich alle Frauenkrankheiten verwünſchte, nichts deſto weniger in Geſellſchaft des Senators Tragaduros auf die Jagd gehen, als ein Zwiſchenfall ſeine üble Laune noch vermehrte.

In dem Augenblicke, wo er zu Pferde ſteigen wollte, kam ein Vaquero mit verhängtem Zügel herangeſprengt, um Don Aguſtin zu benachrichtigen, daß, da die Trei⸗ ber die Aguage*) ausgetrocknet gefunden, es nöthig wäre, eine andere aufzuſuchen, und daß deßhalb die Jagd erſt in acht Tagen Statt finden könnte.

Don Aguſtin ſah ein, daß er ſeine Tochter den Mühen eines ſolchen Suchens nicht ausſetzen könne; er ſchickte daher den Vaquero mit dem Befehle zurück, daß er ihn benachrichtigen ſolle, ſobald er einen Teich gefunden, wo die wilden Pferde ihren Durſt ſtillten.

Und ſo wurde die Jagdpartie aufgeſchoben.

Der Senator war gar nicht ärgerlich über dieſen Zwiſchenfall, der, ſo einfach er auch war, doch ſehr ernſte Folgen haben ſollte. Die Mahnungen Don Eſtevan's, daß er ſich vor Dona Roſario durch irgend

*) Tränke.