Teil eines Werkes 
Band 2 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

215

„Du haſt Recht, ich ſelbſt kenne mich nicht mehr,“ antwortete der Canadier in ſeiner ſchlichten Weiſe leiſe, „und doch.„

Roſenholz vollendete ſeine Phraſe nicht, denn es hatte ſich ſeiner eine tiefe Träumerei bemächtigt, wäh⸗ rend deren er, wie ein Menſch, deſſen Körper anweſend iſt, während ſeine Seele an einem andern Orte weilt, es aufgegeben zu haben ſchien, den ungewiſſen Bewe⸗ gungen der ſchwimmenden Inſel zu folgen. Denn für den Jäger, der nun ſchon ſeit zwanzig Jahren in der ſchrankenloſen Freiheit der Wüſten lebte, kam eine Ver⸗ zichtung auf dieſes Leben einem wirklichen Tode gleich; ſobald er aufhören mußte, Fabian täglich zu ſehen,— ſobald er dem Troſte entſagen mußte, daß ihm einſt ſein Adoptivſohn die Augen zudrücken werde, mußte er auch dem Glücke für immer Lebewohl ſagen. Fabian und die Wüſte waren das, was ihn an's Leben feſſelte; von Fabian oder von der Wüſte ſich zu trennen, ſchien ihm eine Unmöglichkeit. In der Seele des Jägers fand ſo ein Kampf zwiſchen dem civiliſirten Menſchen und dem Manne ſtatt, den eine lange Gewohnheit faſt in den Zu⸗ ſtand der Wildheit zurückgeführt hatte.

Es ſtand nicht lange an, ſo unterbrach Pepe die Träumereien des Canadiers. Schon ſeit einigen Augen⸗ blicken warf der Erſtere unruhigere Blicke in der Rich⸗ tung eines der Flußufer. Er glaubte durch den Nebel hindurch die weißen und phantaſtiſchen Formen, als welche die Bäume im Nebel erſchienen, dunkel zu er⸗ blicken. Sie glichen Phantomen, welche in noch unbe⸗ ſtimmten Umriſſen ſich zeigend, und mit langen, dunſti⸗ gen Draperien bedeckt, ſich klagend über den Fluß hin zu neigen ſchienen.

„Wir treiben ab, Roſenholz,“ ſagte Pepe ganz leiſe; „dieſe Nebelmaſſen, die dort unten dichter ſcheinen, kön⸗ nen nur die Gipfel der am Ufer ſtehenden Weidenbäume ein.“

„Du haſt Recht!“ antwortete der Canadier, der