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da ſtand, war ſie immer noch ſeine Mutter,— konnte ſie es immer noch küſſen;— noch einen Augenblick, dachte ſie, und Gott ſchickt mir vielleicht in ſeiner Barm⸗ herzigkeit einen Retter! Wenn aber auch Gott die Vollführung dieſes abſcheulichen Verbrechens geſtattete, — konnte ſie da nicht ihrem Kinde in jeder Minute noch hundert Küſſe geben*
Bei der Freude, wie beim Schmerzen gibt es Gren⸗ zen, über welche die menſchliche Schwäche nicht hinaus kann; jenſeits dieſer Grenzen würden die Bande des Lebens reißen. Bei den großen Kriſen moraliſcher Leiden gibt es, ſo gut wie bei den phyſiſchen, einen Punkt, wo der Schmerz plötzlich ſtille ſtehen muß, weil es dem Körper an Organen fehlt, um deren vernichtenden Schlag zu empfangen. Und ebenſo verhält es ſich mit dem äußerſten Glücke. Die Natur verhindert da durch die Unempfindlichkeit der Materie die Auflöſung der Bande, die die Seele an den Koͤrper knüpfen. Gott hat es ſo gewollt, damit das von ihm angeordnete Gleichgewicht nicht geſtört und aufgehoben werde.
Dieß geſchah auch in dem Augenblicke, wo die Mutter von ihrem vielgeliebten Sohne getrennt werden ſollte.
Alles war beendigt, und es war kein Retter ge⸗ kommenz allein bei einem letzten Kuſſe, einer letzten innigen Umarmung bedeckten ſich die Augen der Dona Luiſa mit einem Schleier: die Unempfindlichkeit des Körpers ließ den Seelenſchmerz nicht weiter gehen; ſie ſtieß einen ſchwachen Schrei aus, und' ſank in tiefer Ohnmacht auf den Boden hin!
Don Antonio hielt, ſei es, daß er dieſen Ausgang vorausgeſehen, ſei es, daß derſelbe ſeinen weiteren Pro⸗ jekten nicht im Wege ſtand, die Lampe kalt an das blaſſe und lebloſe Geſicht der Gräfin hin, um ſich von ihrem Athmen zu vergewiſſern; dann ſchob er, ohne ſich um die ſtillen Thränen des Kindes zu kümmern, das ſein großer Schrecken verhinderte, laut zu weinen, den


