„
27
Kopfkiſſen ſah, ſein ſanfteſtes Lächeln an, und ſchlief dann wieder ein.
Die Gräfin warf auf ihren Peiniger einen Blick, der anzeigte, daß ſie ganz außer ſich war; es fehlte ihr an dem nöthigen Muthe, das Befohlene zu thun, und ihre Arme fielen träg an ihrem Körper herunter. Don Antonio machte eine drohende Geberde, die Gräfin ſchauderte, neigte ſich auf's Neue über ihr Kind hin, und drückte auf ſeine Lippen einen Kuß, voll des fieber⸗ haften Feuers, das auf dem ihrigen brannte; bei dieſer Berührung wachte das Kind auf, und ſah erſtaunt um⸗ her. Seine ſchlaftrunkenen Augen ſchloßen ſich von Neuem, als ein heftiger Stoß von Don Antonio die Wirkung hatte, daß ſie ſich endlich ganz öffneten. Mit dieſem Stoße ſchwand auch ſeine Betäubung.
Das Kind ſchauderte inmitten der eiskalten Luft, die durch das geöffnete Fenſter in Stößen in das Zim⸗ mer drang, und beim Anblicke eines Unbekannten, neben welchem ſeine todtblaſſe Mutter zitterte und in Thränen gebadet da ſtand, machte der Schrecken auch das Kind zittern. Es verbarg ſich weinend am Buſen ſeiner Mutter.
Don Antonio ging ein wenig nich dem Fenſter hin, nachdem er Dona Luiſe mit einer gebieteriſchen Geſte befohlen hatte, ſich zu ſputen; dabei hörte er aber nicht auf, die Augen auf die arme Gräfin zu hef⸗ ten. Die unglückliche Mutter unterbrach tauſend Mal eine Arbeit, die ihr ſonſt ſo angenehm geweſen, nun aber ſo peinlich war, um jedes Kleidungsſtück ihres ge⸗ liebten Sohnes zärtlich zu küſſen, und um Alles, was ihr Mund von ihm erhaſchen konnte, mit feurigen Küſſen zu bedecken. Sie irrte ſich in den Kleidungsſtücken, oder affektirte, ſich darin zu irren, um einige koſtbare Augen⸗
blicke zu gewinnen,— um den unglücklichen Augenblick
hinauszuſchieben, wo ihr Kind aufhören ſollte, ihr zu gehören: deßhalb zögerte ſie ſo ſehr mit dem Ankleiden deſſelben. So lange es noch nicht völlig angekleidet


