Teil eines Werkes 
Band 2 (1851)
Entstehung
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26* eine arme Creatur, die ihr abgelaufener Vertrag dem Böſen in die Hände gab. Wie ſie, hatte die Gräfin geſleht, aber umſonſt: nicht nur hatte ſie keine Gnade erhalten, ſondern es war ihr auch jede Friſt abgeſchla⸗ gen worden; der Augenhlick war nun gekommen, ihre Seele gehörte ihr nicht mehr. 5

Als ſie daher von Don Antonio ven Befehl erhielt, ihr Kind zu wecken und anzukleiden, ging ſie auf die Wiege zu, wie wenn ſie ſich ihrer Erxiſtenz nicht mehr bewußt geweſen wäre. Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, einen Schrei zu thun, um Hülfe herbeizu⸗ rufen; allein es hielt ſie mehr noch der Inſtinkt, als die Reflerion zurück; der Tiger, der ſie mit ſeinen Klauen feſthielt, hatte auch ihr Kind in ſeiner Gewalt, und ſein großes Meſſer glänzte vor ihren Augen in unheimlicher, blutdürſtiger Weiſe. Schon ſah ſie es im Geiſte mit dem Blute desjenigen geröthet, den ſie mehr als ihr eigenes Leben liebte, und bei dem ent⸗ 4 ſetzlichen Gedanken, der ſich ihrer bemächtigte, näherte ſie ſich ihrem Sohne mit düſterem Auge und geſenktem Haupte: ihr Herz hatte in dieſem Augenblick aufgehört, zu ſchlagen.

Ihre Augen ſahen nur noch durch einen Thränen⸗ ſchleier hindurch den reinen und tiefen Schlaf dieſes Kindes, das die in ſeiner unmittelbarſten Nähe vor ſich gehende Scene ruhig und ſorglos ließ, und das in einer nebeligen Oetober⸗Nacht dieſem Schlafe mit Ge⸗ walt entriſſen werden mußte, da es galt, ihm ein ewi⸗ ges Lebewohl zu ſagen.

Die Gräfin fing daher mit ächt mütterlicher Sorg⸗ falt an, mit ihren zitternden Händen über das Geſicht ihres Sohnes hinzufahren, um die Locken zu entfernen,* durch die es verhüllt war. Das Kind fühlte den ſanften Contakt der Hände ſeiner Mutter, öffnete ſeine matt blinkenden Augen, und nahm, als es durch eine Wolke hindurch diejenige erblickte, die es jeden Abend an ſeinem