Teil eines Werkes 
Band 2 (1851)
Entstehung
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Gib, o Gott! daß dieß nicht geſchieht! rief Dona Luiſa, indem ſie das inbrünſtigſte Gebet, das je aus einer Mutter Bruſt gekommen, zu Gott aufſteigen ließ.

Dann warf ſie ſich dem wieder zu Füßen, der ſie einſt geliebt hatte, und rief

O Antonio! Sie waren einſt ſo groß, ſo edel, ſo großherzig, möchten Sie ſich nun mit einem Ver⸗ brechen beflecken? Ach nein! Sie wollen mich bloß erſchrecken, nicht wahr?

Sie erſchrecken! erwiederte Don Antonio mit einem ſardoniſchen Lächeln;bei Gott, das will ich nicht, denn wenn ich all' das geweſen bin, was Sie da ſagen, ſo iſt das ein ſo ſchöner Fond von Tugend, daß ich ihn wohl etwas ſchmälern kann, ohne ihn damit erheblich zu verringern. Aber, ſetzte er hinzu,die Zeit vergeht, und meine Leute werden des Wartens müde.

Auf dieſen kalten und grauſamen Hohn fand Dona Luiſa keine Antwort mehr. Der Menſch, der mit dem Verbrechen ſeinen Scherz trieb, mußte ein Herz beſitzen, das man nicht zu erweichen hoffen durfte.

Von dieſem Augenblicke, und erſt von dieſem Au⸗ genblicke an, begriff die Gräſfin von Mediana, daß Alles aus ſei. Eine Betäubung, die wir nicht zu ſchildern vermögen, bemächtigte ſich ihres Geiſtes; ihr Körper verlor alle Spannkraft; ſie dachte nicht mehr, hanbelte nicht mehr, hatte keine Gedanken mehr, und erwartete, ſich in ihr Lvos ergebend, und ſich durchaus leidend ver⸗ haltend, den Urtheilsſpruch. Keine Sylbe kam mehr von ihrer Lippe. Die Reaction der ſtürmiſchen Leiden⸗ ſchaften, die ſie an dieſem Abende erſchüttert hatten, machte ſich in ihrer ganzen Furchtbarkeit geltend.

In dieſem großen, ungleich erleuchteten Zimmer, worin der eindringende Wind ſich mit einem traurigen Murmeln verfing, indem er die langen Draperien ſchau⸗ dern machte, ſchien dieſe Frau, die das Haupt vor dem bald kalten, bald ſpottenden, bald zornigen, immer aber unverſöhnlichen Manne demüthig und rein paſſiv ſenkte,