—————
———
Blick, den er ſeit dem Anfange dieſer Unterredung wie⸗ der gewonnen hatte. Er mußte tief erbittert, ſein Herz mußte gewaltig verhärtet ſein, daß ſeine wilde Entſchloſ⸗ ſenheit vor der Gräfin dieſelbe blieb,— vor der Gräfin, die mit weit geöffneten Naſenlöchern, mit heftig klopfen⸗ dem Buſen, die Todesangſt auf dem Geſichte, während ihre langen Haarflechten über ihre Schultern herabfie⸗ len, bald demüthig flehende, bald ſchreckenerfüllte Augen auf ihn heftete, denn ihr ſtolzes Geſicht nahm die ganze wilde Schönheit an, die es verſprach, während die Mut⸗ terliebe ihren Blicken einen ungekannten Reiz verlieh⸗
„Gnade für ihn!“ ſprach ſie endlich, als ſie wieder Worte finden konnte;„Sie können mich umbringen, Antonio,— aber was hat er,— was hat er Ihnen gethan?“
„Was er mir gethan?“ verſetzte Don Antonio; „iſt nicht er jetzt Graf von Mediana? Iſt er nicht ein legitimer Uſurpator eines Titels und eines Vermögens, die mir hatten bleiben ſollen, wie ſein Vater unſerer
Mutter auf ihrem Todbette geſchworen? Iſt er nicht
der Sohn derjenigen, die mir gelobt hatte, daß ſieR mand außer mir lieben würde,— iſt er nicht der St derjenigen, die keine Ruhe gehabt hat, als bis es ihr, mit Verletzung ihrer Schwüre, durch die Zauber ihrer Schönheit gelungen iſt, auch meinen Bruder zu einem Meineidigen zu machen?“
Die Gräſin verbarg den Kopf in ihren beiden Händen.
„Hat man Sie nicht ſchon ſeit langer Zeit für todt gehalten?“ ſagte ſie mit erſtickter Stimme.„Ich habe den allgemeinen Irrthum getheilt.“
„Glauben Sie, Sie beſtechen mich mit dieſen Lü⸗ gen?“ Weiß ich nicht, daß beim erſten Entſtehen des Gerüchtes von einem Tode, der durch Nichts beſtätigt wurde, aber die zarte Sorge, womit der Graf von Mediana und das reiche mit dem Titel verbundene Ma⸗ jorat Sie erfüllt hatten, beunruhigte, es der Zielpunkt aller


