Teil eines Werkes 
Band 2 (1851)
Entstehung
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19

Rühren Sie ſich nicht, rief Antonio,und geben Sie keinen Laut von ſich, um Hülfe herbeizurufen, wenn Ihnen dieſes Kind lieb iſt!

Er deutete mit dem Finger auf die Wiege Fabian's.

Es lag in dieſer Geſte ſo viel Macht und Autorität, daß die beſtürzte Gräfin mit graſſen Augen und vorge⸗ beugtem Körper ſtumm und unbeweglich blieb, und ihren ſeltſamen Beſucher zitternd und bebend anſah.

Was ſie gehört, hatte ihr bewieſen, daß in den Augen dieſes Mannes die Vergangenheit Nichts mehr war. Dona Luiſa fühlte, daß ſie verloren, allein ſie fühlte auch, daß ihr Kind bedroht ſei. Sie bot daher alle ihre mütterliche Zärtlichkeit, und die ganze Energie ihres Willens und Stolzes auf, um dem Finger, der auh die Wiege ihres Sohnes hinwies, mit einem ſo gleichgiltigen Blicke zu folgen, als ob das Leben dieſes Kindes nicht hundert Mal koſtbarer geweſen wäre, als ihr eigenes.

Gewiß bedurfte es dazu eines unerhörten Grades von Muth; denn das Geſicht Don Antonio's nahm plötz⸗ lich einen andern Ausdruck an.

Seine Lippen, die ein nervöſes Zucken, dem ſein Willen keinen Einhalt zu gebieten vermochte, convulſiviſch bewegte, ließen von Zeit zu Zeit ſeine gewaltig gegen einander gepreßten Zähne ſehen; ſeine funkelnden Augen, die ſich auf die Gräfin hefteten, riefen in allen ihren Gliedern Todesſchauer hervor. Sie hatte klar darin geleſen, daß ſie weder Mitleid, noch Gnade von ihm erwarten dürfe. Indeſſen gelang es ihr endlich doch, ihren Schrecken einigermaßen zu bemeiſtern, worauf ſie mit feſter Stimme rief:

Wer ſind Sie, Sie, der Sie wie ein Nacht⸗ dieb hier einzudringen wagen? Ziemt es einem Sohne, alſo in das Haus ſeiner Väter zurückzukommen? Iſt Don Antonio de Mediana nur noch ein Miſſethäter, der ſich vor dem Tageslicht ſcheut?

Geduld! antwortete Don Antonio ironiſch,es