Der Leſer möge es, gleich mir, annehmen, ohne indeſſen aus einer Ausnahme zu ſchließen, daß das Melodrama in der Natur liege.
Hätte der Blitz neben der Gräfin eingeſchlagen, ſo hätte ihre Betäubung nicht größer ſein können, als die war, die in ihrer Seele auf den erſten Schrecken folgte. Gleich als ob ihre Erinnerungen die Macht eines Zaubers beſeſſen hätten, und als ob es bei ihnen geſtanden hätte, ein Geſpenſt zu citiren, ſah ſie Don Antonio de Mediana ſelbſt in drohender Haltung vor ihr ſtehen.
Beim Anblicke eines Mannes, der zur Nachtzeit ihren Balcon erſtiegen, empfand die Gräfin, wie ich bereits geſagt, einen gewaltigen Schrecken; ein noch gewaltigeres Erſtaunen folgte aber auf denſelben, als ein zweiter Blick ihr ſagte, wer dieſer ſeltſame Beſucher warz allein ſie hörte auf, ſich zu fürchten, als ſie Don Antonio erkannte.
Alle Frauenzimmer legen der Liebe, die ſie einflöſ⸗ ſen, ſei es mit Recht, ſei es mit Unrecht, eine ungeheure Wichtigkeit bei.
und in der That läßt, wenn, einer poetiſchen Alle⸗ gorie zu Folge, die Unſchuld der Jungfrau hinreicht, um einen Löwen einzuſchüchtern, die Erfahrung der Frau ihr ſtets die Zähmung des Mannes, der ſie ein⸗ mal geliebt, als eine leichte Aufgabe erſcheinen.
In den Augen der meiſten Männer iſt zwar dieſe Wichtigkeit contagiös; allein zum Unglücke für Dona Luiſa gehörte diefer zu denen, welche die Liebe einer Frau nicht gar hoch anſchlagen, ſobald ſie von gewiſſen Umſtänden getrennt iſt. Ich drücke hier bloß die excep⸗ tionelle Anſicht Don Antonio de Mediana's aus.
Das blaſſe Geſicht Don Antonio's zog die Gräfin nicht aus ihrem Irrthume, obwohl es zwei entgegenge⸗ ſetzte Gefühle, einen verhaltenen Zorn und eine anſchei⸗ nende Ironie, ausdrückte. Dona Luiſa ſah in ihm immer noch den Mann, der fie geliebt, und noch lieben müſſe.


