Teil eines Werkes 
Band 2 (1851)
Entstehung
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ihren Sohn, über den ſie ſich geneigt, geküßt hatte, hob ſie die Augen in die Höhe, und da ſchien ſie dieſe Aehn⸗ lichkeit zum erſten Male zu bemerken; denn eine düſtere Wolle zog ſich über ihre Phyſiognomie hin. Sie zitterte.

Armes Kind! ſprach ſie halblaut.Möge Gott Dich von einem dem ſeinen ähnlichen Looſe bewahren!

Sodann entfernte ſie die Lampe wieder, welche die brüderliche Gruppe mit ihrem Scheine erleuchtete; und dann verdunkelte ſich wieder das Gemälde. Man hätte ſagen können, es ſei geweſen, als ob eine Erſcheinung wieder verſchwunden wäre.

Es gibt in der Stille der Nacht Augenblicke, wo Alles einen doppelten Werth eine doppelte Wichtigkeit erlangt. Man hört das geringſte, von außen kom⸗ mende Geräuſch: das Krachen eines Möbels jagt Einem Furcht ein. Ebenſo verhält es ſich mit den Stimmen in der Bruſt des Menſchen; diejenigen, ſo den Tag über ſchweigen, laſſen ſich während der Nacht hören, diejenigen, welche den Tag über bloß murmeln, werden in der Nacht ſo laut, wie ſchmetternde Trompeten. Man muß ſie hören, man mag wollen oder nicht.

Hatte die Einſamkeit, die Stille, oder hatte der An⸗ blick dieſes Gemäldes bei der Gräfin eine jener ſchla⸗ fenden Stimmen geweckt? War es ein Gewiſſensbiß? war es eine Vorahnung? So viel iſt gewiß, daß ſie von dem Augenblicke an noch bläſſer ſchien.

Indeſſen nahm ihre Phyſignomie, gleich als ob die Reflexion aus ihrer Phantaſie eitle Schrecken verbannt, bald wieder den ſtolzen Ausdruck an, der gewöhnlich dar⸗ auf lag. Sie ſetzte ſich wieder an den Platz, den ſie an einem der Fenſter des Zimmers einnahm, und die Ruhe wurde jetzt nur noch durch die Windſtöße geſtört, welche von dem auf der Spitze der hohen Felſen von Elanchovi unaufhörlich murmelnden Meere herkamen.

Plötzlich vermiſchten ſich ſchrillere Laute mit den Seufzern des Windes, und es trafen die Töne einer Seetrompete das Ohr der Dona Luiſa. Es iſt dieß ein