Jahre ein ſchönes ſchwarzes Haar verſpricht, halb be⸗ graben warz jedoch ihre Blicke ſchienen mit eben ſo viel Neugierde als Zärtlichkeit auf ſeinen roſigen Wangen und ſeinen kirſchrothen Lippen zu ruhen.
Ein Zuſchauer hätte glauben können, ſie wolle auf den Zügen ihres Kindes die Zukunft leſen, die ihm vor⸗ behalten ſein möchte,— ein entſetzliches Studium, das eine Mutter bei dem Gedanken an die Kämpfe, welche ſpäter der ſchwachen, vor ihren Augen ruhenden Crea⸗ tur harren, beben macht. Die Gräfin machte es wie alle Mütter in ähnlichem Falle, das heißt, ſie drückte einen leidenſchaftlichen Kuß auf ſeine Wangen, gleichſam um ihren Sohn mit einem ſchützenden Zauber zu bewaffnen, oder um ihm die Verſicherung zu geben, daß wenigſtens die mütterliche Liebe ihm nie entgehen würde.
Ueber der Wiege hing an der Wand eines der gro⸗ ßen Familien⸗Gemälde. Die Strahlen der Lampe be⸗ leuchteten es in dieſem Augenblicke vollſtändig. Die Per⸗ ſon, die es darſtellte, gehörte dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts an. Es war ein Knabe von fünfzehn bis ſechzehn Jahren; obwohl aber ſein Blick ſtolz, und ſeine ganze Haltung eine vornehme war, ſo verrieth er doch jene Verſchlechterung der Race, die ein charakteriſtiſches Kennzeichen der dermaligen ſpaniſchen Ariſtokratie bildet. Er lehnte ſich mit dem Elbogen auf die Rücklehne eines ungeheuren Seſſels, in welchem ein junges Kind ſchlief. Der Stolz des nach ſeinem Bruder hin gekehrten Au⸗ ges,— denn die Familien⸗Aehnlichkeit war auffallend groß,— ſchloß einen Ausdruck lebhafter, zärtlicher Liebe nicht aus. Dieſe Gruppe ſchien die Allegorie, die be⸗ lebte Erklärung des Wappens zu ſein, das man an einer der oberen Ecken des Gemäldes ſah, und worauf die Deviſe:„Ich werde wachen“ zu leſen war.
In Folge eines ſeltſamen Zuſammentreffens zeigte das in ſeiner Wiege ſchlafende Kind eine auffallende Aehnlichkeit mit demjenigen, das ſeit dreißig Jahren auf ſeinem gothiſchen Lehnſeſſel ſchlief. Nachdem die Gräfin


