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„Es find wahrſcheinlich nur Träume,“ ſprach er traurig;„allein fahren Sie fort! fahren Sie fort! Iſt das Alles, was Ihnen im Gedächtniß geblieben? Erin⸗ nern Sie ſich nicht mehr an das Rauſchen des Meeres? Es iſt dieß ein Schauſpiel, das man nie vergißt, ſo jung auch der, ſo es geſehen, geweſen ſein mag.“
„Ich habe das Meer zum erſten Male erſt vor vier Jahren geſehen,— es war zu Guaymas,“ ver⸗ ſetzte Tibureio;„und doch muß iches, wenn ich gewiſ⸗ ſen Aufſchlüſſen Glauben beimeſſen darf, die man mir gegeben, zum erſten Male in meiner zarteſten Kindheit geſehen haben.“
„Wohlan!“ fuhr der Canadier fort, der ſich aber⸗ mals in ſeiner Hoffnung getäuſcht ſah, daß er den wie⸗ der finden würde, deſſen Verluſt er lange Jahre hin⸗ durch beweint,„knüpft ſich an dieſe Erinnerung keine andere?“
„Keine!“
„Keine?“ wiederholte der Canadier, ähnlich einem fernen Echo;„keine?“
„Keine beſtimmte wenigſtens; allein es ſind dieß wohl, wie Sie ſagen und wie ich denke, Träume, die ich für Realitäten halte.“
„Ohne Zweifel,“ verſetzte Roſenholz mit einem etwas bitteren Gefühle;„wo iſt das Kind, das ſich ſolcher Dinge noch erinnerte?“
„Und unter dieſen Träumen,“ ſprach Tiburcio, „ſehe ich zu dieſer Stunde ein gebräuntes, rauhes, aber in ſeiner Rauhheit gutmüthiges Geſicht.“
„Was für ein Geſicht?“ fragte Roſenholz, ſein Geſicht von Neuem dem Lichte zuwendend, das deſſen geſpannte Muskeln beleuchtete, während ſeine Bruſt ſich bergartig hob.
„Dieſes Geſicht,“ erwiederte Tiburcio,„iſt das eines Mannes, der mich gar ſehr liebte; denn,“ ſetzte 3 lebhaft hinzu,„ich erinnere mich jetzt dieſes Mannes wieder!“


