4— „Sie ſind alſo todt?“ ſprach Roſenholz mit vieler
Theilnahme.
„Ich habe dieſelben nie gekannt,“ verſetzte der junge Menſch mit leiſer Stimme.
„Sie ſagen, Sie haben ſie nie gekannt! Sagen Sie das wirklich?“ rief der Canadier, der plötzlich auf⸗ ſtand, ein noch brennendes Stück Holz ergriff, und es dem Geſichte Tiburcio's näherte.
Dieſer Feuerbrand, ſo leicht er auch war, ſchien in der Hand des Rieſen centnerſchwer zu wiegen,— ſo convulſiviſch zitterte dieſe Hand, während der Cana⸗ dier nach einander alle Theile ſeines Geſichtes beleuch⸗ tete, und ihn mit einer Stimme, die ſeine Gemüthser⸗ ſchütterung ebenfalls zittern machte, fragte;
„Aber Sie wiſſen doch wenigſtens, in welchem Lande Sie geboren ſind?“
„Ich weiß es nicht,“ antwortete Tiburcio.„War⸗ um aber dieſe Fragen? Welches Intereſſe können Sie an Ereigniſſen nehmen, denen Sie fremd ſein müſſen, wie Sie auch dieſem Lande fremd ſind?“
„Fabian! Fabian!“ ſprach Roſenholz, indem er wider ſeinen Willen den Ausdruck ſeiner rauhen Stimme milderte, gleich als ob er ein kleines Kind anredete, „was iſt aus Dir geworden?“
„Fabian! ich kenne dieſen Namen nicht„. Fa⸗ bian!“ wiederholte Tiburcio, deſſen Staunen ſich bei dieſer Interpellation verdoppelte, während der Canadier die Augen gierig auf ihn heftete, und mit der Hand einen Rebel entfernen zu wollen ſchien, der ſeinen Blick trübte.
„O mein Gott!“ ſprach Roſenholz traurig bei ſich, „da dieſer Name ihm Nichts in's Gedächtniß zurückruft, ſo iſt er es nicht. Warum habe ich auch einer ſo thö⸗ richten Hoffnung Raum gegeben? Und doch find dieſe Züge ſo, wie ſie bei zunehmendem Alter werden muß⸗ ſen. Aber verzeihen Sie mir, mein junger Freund,
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