Der Aufgeſtorte pfiff gellend, ſtieß den Alcaden zu⸗ ruͤck und entfloh in das naͤchſte Gäßchen hinein. Die Patrouille verfolgte ihn nicht, ſondern zog in entgegen⸗ geſetzter Richtung weiter. Faſt gleichzeitig legte ſich eine Hand auf meine Schulter und ich drehete mich erſchrocken um. Perico und der Wirth, dem er mich vorgeſtellt hatte, ſtanden vor mir.
„Das Pfeifen ſchien von meinem Freunde Navaja zu kommen, der irgend etwas vorhaben mag,“ ſagte der erſte, indem er ſich an das Fenſter ſtellte, waͤhrend der zweite mit trunkenen Augen und wankenden Fuͤßen mir ein volles Glas reichte, das er kaum noch halten konnte.
„Schaͤmen Sie ſich der armen Leute hier, Herr?“ ſagte er;„Sie ſpielen nicht, Sie trinken nicht und doch ſind bei manchen Gewiſſensangelegenheiten das Spiel und der Branntwein treffliche Heilmittel. Sehen Sie, ich habe gegeſſen und getrunken und beſitze keinen tlaco mehr in der Welt. Wenn Sie wollen, ſpiele ich mit Ihnen um den Leichnam meines Kindes. Es iſt ein Einſatz, denk' ich, ſo gut als ein anderer, denn ich kann ihn noch und theuer an irgend einen velorio-Liebhaber vermiethen. Das geſchieht alle Tage. Es hat nicht Jeder das Gluͤck, einen Engel da oben zu beſitzen und die Leiche des lieben Kleinen bringt Gluͤck.“
Ich machte mich ſo gut es gehen wollte von dieſem zärtlichen Vater los, um wieder auf die Straße hinaus zu ſehen, aber alles war wieder ſtill und oͤde geworden, freilich unr ſcheinbar, wie ich bald bemerken konnte. Ich glaubte bald den Sand in einem der Gäßchen unter un⸗ ſichern Tritten kniſtern zu horen und fuͤrchtete jeden Augen⸗ blick einen Angſtſchrei zu vernehmen. Lautes Geſpraͤch zog indeß meine Aufmerkſamkeit wieder in das Zimmer zuruͤck, dem ich den Ruͤcken zukehrte. Die Orgie hatte den hoͤchſten Grad erreicht. Der Zaragate, der von einer drohenden Gruppe umgeben war, welcher ſein andauern⸗ des Gluͤck im Spiele verdaͤchtig vorgekommen ſein mochte, bemuͤhete ſich vergebens ſtolz ſich in die Fetzen ſeines brau⸗


