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nen Mantels zu huͤllen und von allen Seiten fielen die aͤrgſten Schimpfworte hageldicht auf ihn.
„Ich bin ein anſtändiger Mann,“ ſagte der Menſch keck,„ſo wahr Ihr mir einen der ſchoͤnſten Maͤntel zer⸗ riſſen habt, den ich je beſaß.“
„Unverſchämter Spitzbube,“ fiel Einer der Spieler ein;„Dein Mantel war ſo zerlochert wie Dein Gewiſſen.“
„An jedem andern Orte wuͤrdet Ihr mir fuͤr dieſe doppelte Beleidigung Genugthuung geben muͤſſen,“ ant⸗ wortete Perico, der nach der Thuͤre zu zu kommen ſuchte. „Herr Fremder,“ rief er mir zu,„buͤrgen Sie fuͤr mich wie ich mich fuͤr Sie verbuͤrgt habe. Die Haͤlfte meines Gewinnes gehort Ihnen; es iſt redlich verdientes Geld.“
Ich verwunſchte nochmals meine Bekanntſchaft mit Perico, als ein ernſteres Ereigniß zum Gluͤck dem Vor⸗ falle eine andere Richtung gab. Ein Mann ſtuͤrzte mit einem Male aus einem der entlegenſten Gemächer des Hauſes herbei und ihm folgten ein anderer mit einem Meſſer in der Hand und eine ſchreiende Frau mit auf⸗ geloͤſetem Haar.
„Will man mich ſo ermorden laſſen?“ rief der Ver⸗ folgte kläglich aus;„giebt mir Niemand ein Meſſer?“
„Laßt mich den Ehrenraͤuber niederſtoßen!“ ſchrie der beleidigte Ehemann dagegen.
Die Frauen fingen ſogleich an zu jammern und traten zwiſchen die beiden Gegner, waͤhrend dem Beleidiger ein Freund heimlich ein großes Meſſer zuſteckte. Dann trat er dem Nebenbuhler keck entgegen. Das Geſchrei der Weiber verdoppelte ſich; es war ein Hoͤllenlaͤrm. Die beiden Feinde boten ihre ganze Kraft auf, um durch die dichten Gruppen hindurch ſich Bahn zu brechen. Dabei wurde der Tiſch umgeſtoßen, auf welchem das todte Kind lag und die Blumen, mit denen es bekraͤnzt war, fielen am Fußboden umher. Alsbald oͤffnete ſich ein weiter Kreis um den entweihten Leichnam her und die Mutter ſturzte ſich mit einem herzzerreißenden Schrei auf ihren todten Liebling.
Ich hatte bereits zu viel aeſeben und trat nochmals


