hineingehen. Es wurde eben dunkel und ich wartete. Es vergingen zwei Stunden; es war niemand mehr in der ſtillen Straße und der, auf welchen ich wartete, kam nicht heraus. Ich wollte mich uͤberzeugen, was ihn wohl ſo lange zuruͤckhalte. Die Wohnung befand ſich zu ebener Erde und ich ſah alſo durch die Stäbe eines Fenſters hin⸗ ein, das man halb offen gelaſſen hatte, wahrſcheinlich we⸗ gen der großen Hitze.“
Perico ſchien entweder aus Schwaͤche oder aus irgend einem andern Grunde bei der Fortſetzung ſeiner Beichte nur mit Widerſtreben dem Einfluſſe nachzugeben, welchen der Moͤnch Serapio auf ihn ausuͤbte; man haͤtte ihn mit einem der Somnambulen vergleichen koͤnnen, die ihre Ge⸗ danken nur mit Sträuben unter dem ſie beherrſchenden mag⸗ netiſche Fludium enthuͤllen. Ich ſah den Moͤnch fragend an, ob ich mich entfernen ſolle, aber er winkte mir zu bleiben.
„Unter einem Bilde der heiligen Seelen,“ fuhr Pe⸗ rico fort,„ſchlummerte eine alte Frau, die ſich bis an die Augen in ihren rebozo gehuͤllt hatte. Der ſchoͤne junge Herr, den ich erkannte, ſaß auf einem Sofa und vor ihm kniete, den Kopf auf ſeine Knie geſtuͤtzt, eine junge ſchoͤne Frau, die ihn mit Liebestrunkenheit anzublicken ſchien. Der Mann zerpfluͤckte eine Roſe, welche von dem Kamme in dem Haar der Frau gehalten wurde. Da ſah ich wohl ein, warum ihm die Zeit nicht lang wurde und vielleicht wird mir das Mitleid, das ich fuͤhlte, da oben zu gute ge⸗ rechnet, denn ich wurde ganz traurig daruͤber, daß ich den Faden eines ſo lieblichen Romans zerreißen ſollte.“


