deſſen Wipfel ſo ſehr belaſtet war, neigte ſich bald auf die Seite und in dem Augenblicke als Perico ſich eben eine große Anzahl Tuͤcher zueignete, ſtuͤrzte er mit allen darauf haͤn⸗ genden verſchlungenen Leperos nieder. Tolles Gelaͤchter und begeiſtertes Jubeln erhob ſich unter den zwoͤlftauſend Zu⸗ ſchauern bei dem Anblicke der Ungluͤcklichen, die ſich gegen⸗ ſeitig von einander und unter den Aeſten loszumachen ſuch⸗ ten. Der Stier ſteigerte die Verwirrung noch mehr, indem er mit den Hoͤrnern unter dem Menſchenknäul herumwuͤhlte und ich hatte den Schmerz den ungluͤcklichen Perico, der zehn Fuß hoch in die Luft empor geſchleudert wurde, bewe⸗ gungslos niederfallen zu ſehen.
In demſelben Augenblicke als Perico hinausgetragen wurde, riefen hundert Stimmen gleichzeitig nach einem Prieſter. Serapio druͤckte ſich in eine Ecke der Loge, aber er konnte ſich doch nicht lange der Pflicht entziehen, die ihm der Volkswille auferlegte. Er erhob ſich deshalb mit einem Ernſt, welcher ſein lebhaftes Bedauern den Augen des Publicums verdeckte und ſagte leiſe zu mir:
„Folgen Sie mir, ich gebe Sie fuͤr einen Arzt aus.“
„Sie ſcherzen,“ antwortete ich.
„Nein, nein, wenn der Menſch noch lebt, findet er einen Arzt und einen Beichtiger von gleicher Befaͤhigung.“
Ich begleitete den Moͤnch mit gleich gravitaͤtiſchem Weſen und waͤhrend wir auf der Treppe hinuntergingen, verrieth uns das Lachen der Zuſchauer, daß das Publicum einen ſo ganz gewoͤhnlichen Vorfall bereits vergeſſen hatte. Wir wurden in ein kleines dunkeles Gemach im Erdgeſchoſſe gefuͤhrt, in das man den armen Perico gelegt, nachdem Amerik. Reiſenovellen. 24


