Druckschrift 
Amerikanische Reisenovellen / von Gabriel Ferry. Nach dem Französischen von A. Diezmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

366

ten entbloßen oft bei ſeinem Anblicke das Haupt und küßen ihm die Hand.

Der Necatitlanplatz bot ein ſeltſames mir ganz neues Schauſpiel dar. Auf der einen Seite goß die Sonne eine blendende Helle auf die paleos de sol*) und hinter den Decken und ausgeſpannten rebozos, durch die man ſich Schatten zu verſchaffen ſuchte, ergoͤtzte ſich die in bruͤllen⸗ den Pyramiden aufgethuͤrmte Menge an einem abſcheulichen Concert von Schreien und Pfeifen. Auf der Schattenſeite bildeten die Federbuͤſche der Officiere und die buntfarbigen Seidenſhawls einen Anblick, welcher fuͤr das Elend und die Bloͤße in den Sonnenlogen einigermaßen entſchaͤdigte. Ich hatte dieſes Schauſpiel ſchon hundert Mal beobachtet, die durch die Metzelei ermuͤdete aber nicht geſaͤttigte Volksmaſſe

haͤufig geſehen, wenn gegen Abend nach Beendigung der

Kaͤmpfe nur noch heiſere Toͤne aus den Kehlen drangen, wenn die Sonne lange Strahlen durch die ſchlechtgefuͤgten Breter des Amphitheaters warf und der Blutgeruch Schaa⸗ ren hungeriger Geier anlockte; nie aber hatte ich den Kampf⸗ platz ſelbſt ſo ausgeſtattet geſehen wie an dieſem Tage. Zahl⸗ reiche hoͤlzerne Geruſte erfuͤllten die ganzen ſonſt den Kaͤmpfen gewidmeten Raͤume und da ſie mit Gras, Blumen und wohlriechenden Zweigen bedeckt waren, gewährten ſie das Bild eines großen gruͤnen Saales oder eines friſchen Haines mit ſchattigen lauſchigen Gängen. Die Buden in dieſem gruͤnen Haine waren eben ſo viele Aſyle der me⸗

²) So nennt man die der Sonne ausgeſetzten Logen des Cireus.