36
meiner Huͤtte ein anderes Meſſer, ohne die Spitze abzubre⸗ chen und kehrte von neuem auf die Inſel Espiritu Santo zuruͤck.
„Der Sturmwind begann ſich zu erheben; die Wogen leuchteten im Dunkel der Nacht und ſpritzten in Feuerfun⸗ ken in der Brandung empor; die gaviota klagte traurig auf dem Gipfel der Felſen, die Seehunde heulten in der Finſterniß und von Zeit zu Zeit miſchte die Seekuh ihre Klagetoͤne in die Seufzer des Windes. Mit einem Male vernahm ich ein anderes Geraͤuſch, das aus der Tiefe des Meeres heraufzukommen ſchien. Ich lauſchte, aber ein Windſtoß trieb die verworrenen Stimmen der See von mir hinweg und ich glaubte mich getaͤuſcht zu haben, als jener Ruf nach einigen Secunden deutlich zu meinen Ohren drang. Diesmal konnte ich mich nicht irren; es war ein Schrei der hoͤchſten Angſt, der Huͤlferuf eines Menſchen in der furchterlichſten Gefahr. Da die Stimme von Espiritu Santo her kam, ſo konnte ich leicht errathen, das Rafael um Huͤlfe rief. Von tauſend verſchiedenen Gefuͤhlen be⸗ ſtuͤrmt, trat ich auf das Vordertheil des Bootes um mich vollkommen zu uͤberzeugen, daß ich mich nicht täuſche, aber vergebens blickte ich auf dem Meere umher; die Nacht war zu dunkel, als daß ich etwas hätte erkennen können.
„Mit einem Male hoͤrte ich von neuem und ganz dentlich:
„Ein Boot! Um Gottes Willen ein Boot!“
„Es war die Stimme Rafaels.
Hier unterbrach ſich Joſe Juan einen Augenblick und fragte unruhig;
„Hoͤrten Sie nicht ſeufzen?“


