ht l
35
Querſchnitt zu oͤffnen. Die Sache hatte Aufſehen, zu großes Aufſehen gemacht, daß der Alcade ſich einmiſchen wollte, obgleich der Thaͤter wie der Todte ganz arm waren und keiner nur ſoviel beſaß, einen einzigen Stempelbogen zu bezahlen. Er ließ den Moͤrder vor ſich fuͤhren, der an⸗ dere war bereits geſtorben. Es ſei nur noch eine einfache Foͤrmlichkeit zu verrichten, ſagte der Alcade zu dem Ange⸗ klagten, naͤmlich ihn zum Tode zu verurtheilen; der Moͤrder aber machte ihm bemerklich, daß die Wunde, an welcher ſein Freund geſtorben ſei, eine vollkommen horizontale ſei und daß er alſo das Geſetz nicht uͤbertreten habe. Der Alcade konnte die Richtigkeit dieſes Einwurfes nicht ent⸗ kraͤftigen, ſchalt ihn nur wegen ſeiner unpaſſenden hitzigen Reden aus und ſchickte ihn wieder an die Arbeit, weil kein Kläger dg ſei, ſagte er und weil das Geſetz nur den mit dem Tode beſtraft wiſſen wolle, welcher mit einem ſpitzigen Meſſer perpendiculaͤre Wunden beibringe, von einem ab⸗ geſtumpften Meſſer aber und von horizontalen Wunden nichts ſage.
„Dieſe Geſchichte fiel mir ein, als ich eben das Meſſer ziehen wollte, das ich ſtatt der estaca im Gürtel hatte. Das Meſſer war ſehr ſpitzig und ich wollte, um ganz ſicher zu ge⸗ hen, die Spitze abbrechen, fing es aber ſo ungeſchickt an, daß das Meſſer nicht an der Spitze, ſondern gerade am Hefte abbrach. Da ich ſo die einzige Waffe verloren hatte, welche mir meine Rache ſichern konnte, fuͤhlte ich, daß ich keinen Augenblickzu verlieren habe. Ich lief an den Strand zuruͤck; da lag ein Boot; ich band es los; die Wuth gab mir neue Kraft, ich fuhr uͤber das Meer hinuͤber, holte aus
3*5
——
———
—


