Teil eines Werkes 
2. Theil (1826)
Entstehung
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10 men, das ſich nicht leicht beſtimmen laͤßt. Es war nicht Liebe, nicht Freundſchaft, wohl aber mit beiden verwandt; es hatte etwas vom Feuer der einen, von der Uneigennuͤtzigkeit der andern.

Als er mit ihr das naͤchſtemal zuſammen kam, war ihre beiderſeitige Verlegenheit nicht geringe. Es ſchien, als haͤtten ſich beide im Stillen beredet, einan⸗ der zu meiden, und gerade darin fand Miß Pratt den unwiderleglichen Beweis, daß zwiſchen ihnen ein voll⸗ kommenes Einverſtaͤndniß herrſche. Indeſſen wurde ſie gewaltig aufgebracht, daß ſie mit allem Beobachten und Lauſchen doch keinen verſtohlenen Blick, kein Fluͤ⸗ ſtern, keinen einſamen Spaziergang, keine geheime Zuſammenkunft, oder ſonſt ſo etwas wahrnehmen konnte, woraus alte Jungfrauen eine Heirath abneh⸗ men und in Ordnung bringen, ehe das Pärchen nur daran gedacht hat.

Indeſſen, nicht im Stande, ihre Gedanken da, wo ſie war, laut werden zu laſſen, und noch weniger vermoͤgend, ſie im Innern zu bewahren, benutzte fie die erſte koſtenfreie Gelegenheit, einen Beſuch bei der Lady Millbank abzuſtatten und hier ihre Buͤrde abzu⸗ ſetzen. Wie gewöhnlich gewährte ihre Entfernung al⸗ len eine Erholung. Niemand aber fuͤhlte fich mehr erleichtert dabei, als Gertrude und Herr Lyndſay. Sie konnten doch nun, wenn auch minder unbefangen, doch mit lebhafter Theilnahme ſprechen. Gertrude war fuͤr ſeinen zarten Sinn, ſeine Ruhe, ſeine belehrende Un⸗ terhaltung nicht unempfaͤnglich. Aber doch ließ ſie