ohne dieſelbe— aber ſie beſaß die Religion der Phan⸗ taſie, des Geſchmacks, des Gefuͤhls, des Beduͤrfniſſes, kurz jede, nur nicht die des Chriſtenthums. Er ſah manches zarte Gefuͤhl bei ihr, aber ſuchte um⸗ ſonſt nach dem beherrſchenden Bewußtſeyn der Pflicht. Ihre ganze Seele ſchien eine liebliche, blumige, pfad⸗ loſe Einoͤde. Umſonſt verduͤnſten alle Wohlgeruͤche darauf. Ueberall iſt Anmuth und Ueppigkeit, aber in dem lieblichen Weſen herrſcht das Vergängliche und Hinfaͤllige. Keine Blume, die den Stuͤrmen des Le⸗ bens trotzte, keine des Paradieſes wuͤrdig, bluͤhte hier.
Lyndſay war ſcharfſichtig genug, die Hauptzuͤge ſeiner Baſe auch durch den Schleier zu entdecken, den Lord Roßville's Tyrannei und die Kunſtgriffe der Mutter uͤber ſie warfen. Er ſah, daß ſie feurig, le⸗ bendig, empfaͤnglich, aber vorſchnell, voll Einbildung und ohne Grundſaͤtze war. Er fuͤrchtete, ſie ſey, ſelbſt bei ihrer Mutter, in boͤſen Haͤnden. Noch mehr war ihm bange, wenn es dem Oberſten gelaͤnge, ihr Herz zu feſſeln. Dieſe Abſicht vermuthete er bei ihm. Er kannte deſſen Lebensweiſe und Grundſaͤtze, undgglaubte daher feſt, daß dieſer Gertrudens Frieden und Gluͤck vernichten muͤſſe.
Seit jenem ſonderbaren, geheimnißvollen Ereig⸗ niſſe im Walde nahm er noch innigern Antheil an ihr und wuͤnſchte wo moͤglich ihre Freundſchaft, ihr Vertrauen zu gewinnen, um ſie vor den Schlingen zu bewahren, die man ihr uͤberall gelegt hatte.— Kurz, Lyndſay's Gefuͤhle fuͤr ſie ſchmolzen in eines zuſam⸗


