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Mutter bei kleinen Veranlaſſungen und manchmal bei gar nichts ſeufzen, und auch wohl ſtöhnen zu horen; allein jetzt war etwas, das den hohen Grad des Lei⸗ dens zu ſehr kund that, um Verſtellung zu erlauben.
„Sie ſind krank, Mama!“ rief ſie erſchrocken und ſah ihrer Mutter bleiche, verſtörte Zuͤge.
Es vergingen einige Augenblicke, ehe die Mutter zu antworten die Stimme fand. Endlich aͤußerte ſie heftig bewegt:
„Iſt es denn ein Wunder, wenn ich in der Naͤhe des Hauſes empfinde, aus dem ich und mein Gatte verbannt— in welches uns ſogar der Eintritt verſagt wurde? Kannſt Du meinen, daß ich bei dem Gedanken unbewegt bleibe: Jetzt die Familie zu ſchauen, von der wir verjagt wurden, die ich nur als meine bitterſten Feinde kennen lernte?“
Ihre Stimme erhob ſich kräͤftiger; ihre Wangen gluͤhten lebhafter, als ſie das erfahrne Unrecht ſchil⸗ derte.
„O Mutter!“ redete Gertrude zu,„laſſen Sie Ihre Phantaſie nicht unter den Umſtaͤnden bei ſolchen ſchmerzlichen Erinnerungen weilen. Natuͤrlich muͤſſen duͤſtere Gedanken andere erzeugen, aber— ach da iſt das Schloß!“ rief die junge Erbin und vergaß alles Leiden der Mutter, als das ſtattliche Gebäude ihrem Blick entgegen trat. Aufs neue jauchzte ihr Herz, wie ſie die ſtolzen Thuͤrme und die lange Reihe der gothiſchen Fenſter im goldenen Strahl der Abendſonne glänzen ſah. Noch ein Augenblick und ſie waren
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