Teil eines Werkes 
2. Theil (1816)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

232

Da erzählte Moritz alles, und Amelie, in dem ſtolzen Selbſtgefuͤhl der reinen Unſchuld, ſagte ihm, wie viel ſie gewußt, und die Lieben⸗ den erriethen einander, und verkannten ſich nicht.

Aber jetzt machte die Mutter Umſtaͤnde. Heute! das ſagte ſie ein Dutzend Mal, und je⸗ des Mal mit mehr Gewicht, als vorher, waͤh⸗ rend Amelie ſchon die Blume, ihren einzigen Putz, vor den Buſen ſteckte. Sie war gekleidet.

Moritz fuͤrchtete noch ein Hinderniß. Er hatte zu dem Ende einen Reitknecht mitgenom⸗ men, der Johannen in Tengenbach ſchnell Nach⸗ richt geben ſollte, ob er die Anſtalten zum Em⸗ pfang Ameltens machen ſollte. Die Mutter be⸗ griff endlich, daß Amelie heute Graͤfin Den⸗ genbach werden ſollte. Moriß wollte ſeinen Boten ahſenden, da kam ein Bote, der thm die Nachricht brachte, daß ſein Vater durch eine rleine Unpäßlichktit abgehalten ſey, zu erſchei⸗ nen. Er ließ den Sohn bitten, ſeine Verbin⸗ dung mit Amelien noch ein Paar Tage auszu⸗ ſetzen. Der Vater gab ihm den Auftrag nach Tübingen zu reiſen und dem Pberſten Grafen Dengenbach Papiere zu geben, die von äu⸗ ßerſter Wichtigkeit ſeyn ſollten.

Moritz fand in dem Briefe etwas Frem⸗ des, etwas Heimliches, etwas, das ihn beun⸗

ruhigte.