10. Stillleben.
Wo bliebe ein irdiſches Daſein von den Stürmen des Schickſals unberührt? Und wo blühte das Menſchenleben, dem alle Hoffnungen ſich erfüllten? Auch hinter Ludwig und Sophie hatte ſich damals, als ſie das Schloß von Eishauſen bezogen, die Welt der Stürme und der herben Geſchicke nicht völlig abgeſchloſſen, aber dennoch waren ſie glücklich; der Himmel verlieh ihnen Mäßigung, jene kleinen Leiden als das Unabwendbare zu ertragen, und Tugend, großer Freuden würdig zu ſein. So ſchwanden ihnen die Jahre dahin, nur ihre Her⸗ zen und deren treuer Liebesbund alterten nicht.
Eines Tages, als Sophie eben ihre Lieblinge, die Katzen fütterte, trat Ludwig mit einem Briefe zu ihr und ſagte mit einer recht bitter ironiſchen Miene: Mein Berichterſtatter aus der Heimath, Herr Rath Wippermann, früher Secretär meines Vetters, des Reichsgrafen, der ſo gütig iſt, mir zuweilen mitzutheilen, wie es zu Hauſe ſteht, meldet mir als neueſte Neuigkeit, daß Seine Erlaucht, Graf Wilhelm, ſich bewogen gefunden hat, über alle und jede Hinderniſſe ſich zu erheben, und ſeiner mit Madame Sara Margarita Gardes eingegangener Ge⸗ wiſſeensehe jetzt auch das öffentliche, kirchlich und weltlich gültige Sigill aufzudrücken.
Was iſt das? fragte Sophie: Ich verſtehe dieſe Ausdrücke nicht, beſter Ludwig?
Der Graf ſchlug den Brief auseinander und las:„Seine Erlaucht haben ſich am achten September achtzehnhundertſechzehn mit unſerer nunmehrigen, allgemein verehrten Frau Reichsgräfin in Höchſtihrer Herrſchaft Kniphauſen, und zwar zu Accum, in der dortigen Kirche reformirter und zugleich eigner Confeſſion feierlich copuliren laſſen.“
Ich meine, der Reichsgraf habe daran Recht gethan? bemerkte Sophie.
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