Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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Mittlerweile ſank die Herbſtnacht in das Thal herab; die laut plaudernde Bauernſchaar kehrte nach ihrem Dorfe zurück und bald wurde es wieder ganz ſtill um das Schloß, ja recht todtenſtill, nur die Wellen der Rodach unterbrachen das tiefe Schweigen ringsum.

Jetzt kam Philipp langſam von der Wieſe her nach dem Hauſe ge⸗ ſchlichen, der Verwalter erſchrak über ſeinen Anblick, Lenn Jener war bleich wie der Tod, ſtöhnte, hielt ſich die Seite und kennte nur ſtam⸗ melnd mit gepreßtem Athem den Ruf nach dem Chirurgen hervor⸗ bringen. Er mußte ſogleich zu Bette gebracht werden.

Voll Beſtürzung eilte der Graf herbei und ihm erzählte dann Philipp unter heftigem Schmerzgeſtöhn, was ſich zwiſchen ihm und dem franzöſiſchen Hauptmann auf der Wieſe hinterm Schloß, dicht am ufer der Rodach, begeben habe. Auf den erſten Blick hatte er in Jenem den abſcheulichen Berthelmy wieder erkannt und der Gedanke, daß derſelbe nicht lebend das Schloß wieder verlaſſen dürfe, ſtand ſogleich ſicher vor ſeiner Seele. So ging er ihm nach, ſo vertrat er dem Feinde den Weg, und warf ſich mit einer wahren Tigerwuth auf ihn. Verthelmy, ein kräftiger Mann, wehrte ſich verzweiflungs⸗ voll, aber Philipp gab die Rache Rieſenſtärke; bald war der verruchte Mörder der herrlichen Angés völlig in ſeiner Gewalt, Philipp's Fauſt⸗ ſchläge betäubten ihn und obwohl es Jenem noch gelang, ſeinen An⸗ greifer mit einem Stilett tief in der rechten Seite zu verwunden, ſo achtete Philipp deſſen doch nicht, und auf Berthelmy's Bruſt knieend, drückte er ihm ſo lange die Kehle zu, bis derſelbe kein Glied mehr regte. Dann ſchleifte er den Leichnam an den Haaren nach der nahen Rodach und warf ihn in den dunkelſchäumenden Bach.

Graf Ludwig ſchauderte bei dieſem Schreckensbericht, der Zuſtand des treuen Dieners ließ ihn jedoch jeden anderen Gedanken, jede andere Betrachtung zurückdrängen. Er ſandte ſogleich einen reitenden Boten nach dem Arzt in die Stadt, als aber dieſer eintraf, hatte ſich der Zuſtand des Kranken bereits ſo ſehr verſchlimmert, daß der Arzt an ſeinem Aufkommen zweifelte. Berthelmy's Stilett hatte noch ein⸗ mal, zum Letztenmal den Weg zu dem Sitze eines edlen Lebens gefunden, unter unſäglichen Schmerzen gab Philipp in der Nacht den Geiſt auf, aber erſt einige Wochen nach ſeinem Tode fand man bie Leiche des von ihmerdroſſelten Berthelmy in den Weidengebüſchen der Rodach auf.

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