dennoch fand er kein Wort zornvoller Entgegnung, denn die alſo heftig und vernichtend auf ihn einredete, war eine Frau, eine hochbetagte Greiſin, und war die Mutter ſeines Erzeugers. Als ſie ſchwieg, rang trotz des ſtürmiſchen Kampfes in ſeinem empfindlichen und höchſt reizbaren Gemüthe der Erbherr dennoch nach Faſſung, und ſprach: Alſo das ſind die Friedenspräliminarien, Frau Großmama? Das iſt Ihre verſöhnliche Geſinnung, die mit Forderungen an mich herantritt, die mir Schwindel erregen? Und nun dieſer Sturm— wo ſoll ich Anker werfen in dieſem Sturme?
Ankere wo du willſt, mein Kreuz iſt mein Anker! verſetzte die alte Reichsgräfin, anſpielend auf das ſilberne Ankerkreuz im blauen Wappenſchild der hohen Familie. Du ſollſt mich kennen lernen, wenn du mich noch nicht kennſt; du ſollſt erfahren, daß ich nicht beabſichtige, dieſen hier, meinen Ludwig Carl, mit euerm Erbtheil zu bereichern. Was habt ihr denn ſonderlich, wenn ich, ich und noch einmal ich euch enterbe und dieſen, meinen Enkel, an Sohnes⸗ ſtatt adoptire?
Gnädige Großmutter! das will ich nicht, das würde ich nicht annehmen! rief der junge Herr. Laſſen Sie ihnen alles— ich ſchwur zu gehen, und ich gehe, ſo wahr ein Gott lebt! Ich will mich nicht hier behandeln laſſen, wie einen Troßbuben, ich will auch nicht zur Laſt fallen! Nicht ahnen konnte ich, ſo verhaßt zu ſein, ſo ſehr ver⸗ achtet, daß man glaubt, man dürfe mich wie einen Hund mit Füßen treten. Sie ſollen, ja Sie müſſen mir das Räthſel meines Daſeins löſen, mir Ihren Segen geben und mich dann ziehen laſſen, wohin Gott mich führt!
Du wirſt jetzt ſchweigen, Ludwig Carl, und mir gehorchen! wandte ſich die Reichsgräfin zu dem Jüngling; und du, Wilhelm, ſollſt erfahren, was ich beſchließe. Bis dahin vergiß nicht, was du mir ſchuldeſt! Vergiß nicht, wer ich bin, und vor allem: vergiß nicht noch einmal deine eigene Würde!
Die alte Reichsgräfin ſchlug in die Hände, Anton's I. Bild rollte Raum gebend zur Seite, und den geliebten Enkel— deſſen Hand ſie während dieſer ganzen Zeit nur vorhin einen Augenblick los⸗ gelaſſen, und gleich nach ihrem Zeichen wieder erfaßt hatte— nach⸗ ziehend, trat ſie durch die Thüröffnung in einen genügend breiten
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