Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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Gang, in welchem ihr mit ihr und in ihrem Dienſt ergrauter uralter Kammerdiener Weisbrod und Philipp, der Diener des jungen Herrn, noch mit den brennenden Kerzen ſtanden. Alsbald, wie die Thüre ſich hinter den Eintretenden wieder geſchloſſen hatte, ſchritten beide Diener ihnen voran und geleiteten ſie durch den längs mehrerer Zimmer vorüberführenden Gang nach den Gemächern der Gräfin.

Dort ſprach die letztere zu ihrem Enkel: Gehe ſorgenlos zur Ruhe, mein lieber Ludwig Carl, doch gieb mir in meine Hand dein Wort, nichts zu unternehmen, weder gegen ihn, noch gegen dich, bevor du mich morgen um die neunte Stunde hier noch einmal geſprochen. Weisbrod ſoll dich zu mir rufen. Gute Nacht, mein armes, ſchwergekränktes, liebes Kind!

Damit bot ſie dem Jüngling die Hand, er legte ſtumm die ſeinige in die ihre, und zitternd von der Erregung ſeines Innern küßte Lud⸗ wig die ihm huldreich dargebotene zarte Hand der Matrone, eine Hand, die nur Haut und Knochen, aber fein und faſt durchſcheinend war, und ließ ſich dann durch ſeinen Diener nach ſeinen Gemächern vorleuchten.

Der Erbherr hatte ſich in einen Seſſel geworfen, die Hände vor das Geſicht geſchlagen und lange in einer verzweifelten und entſetz⸗ lichen Stimmung verharrt. Die ſo überraſchende Erſcheinung der Greiſin hatte einen unbeſchreiblichen Eindruck auf ihn gemacht; er verhehlte ſich nicht, daß dieſelbe ihn vor einem Mord bewahrt, der mit tiefer und ſchwerer Reue ihn belaſtet haben würde, denn ſein Charakter war von Natur weich und empfindſam, nicht im entfernteſten hart oder entartet, wohl aber heftig und raſch auflodernd.

In dem jener Wand, durch welche die Gräfin gekommen und gegangen war, entgegengeſetzten Zimmer, welches vor kurzem der Hofrath Brünings und der Secretär Wippermann betreten hatten, hofften beide, nachdem ſie den laut genug geführten Streit und die Stimme der Gräfin mit innerm Beben vernommen hatten, lange und vergebens darauf, wieder zu ihrem Gebieter beſchieden zu werden, oder ihn bei ſich eintreten zu ſehen. Der Erbherr vermochte es nicht über ſich, nach dem, was ihm geſagt worden war, vor die Augen ſei⸗ ner Beamten zu treten, und der Hofrath Brünings zog aus der

Taſche ſeiner brocatnen Weſte eine goldene Doſe, tippte darauf, bot 2*