Wort: Halt! Gegen den jungen Herrn gewendet, rief die unver⸗ hoffte Erſcheinung, die der aus einer andern Welt völlig glich: Zu mir!
Der Erbherr ſenkte den ſchon zum tödtlichen Schuß gehobenen Arm, ſeiner Hand entſank die Waffe; von Grauen überrirſelt, blickte er auf die Erſcheinung hin, hinter welcher zwei Diener in reich be⸗ treßter Livree jeder in der Hand einen kerzenvollen Armleuchter hielten.
2. Dir alte Reichsgräfin.
Mit feſten Schritten trat die Greiſin aus der verborgenen Thür⸗ öffnung in das Gemach ihres Enkels, das Bild rollte wieder langſam an ſeine Stelle, trennte die Herrin von ihren Dienern und ſchloß deren Zeugenſchaft bei der bevorſtehenden Unterredung aus. Das Bild ſtellte den Grafen Anton I, einen von des Hauſes Ahn⸗ herren dar, in der kleidſamen, ſtattlichen Tracht der Kämpfer des dreißigjährigen Krieges.
Die Hand der alten Reichsgräfin erfaßte ſchützend die Rechte ihres Lieblings, und den durchbohrenden Blick ihrer blitzenden Augen feſt auf den Erbherrn richtend, ſprach ſie zu dieſem mit ihrer tiefen Stimme und mit Eiſeskälte: Wer biſt du Menſch, daß du es wagſt, mit Baſtarden um dich zu werfen und mit Piſtolen meinem unſchuldi⸗ gen Enkel zu drohen? Kennſt Du dieſen, unſers Hauſes edlen Ahnherrn, deinen Urgroßvater? Auch er war ein Baſtard, wenn dir dieſes Wort ſo wohl gefällt, und ſein Blut rinnt in deinen Adern, wie in denen meines Ludwig. Wer bin ich, und wer biſt du? Ich bin die Erbtochter eines Hauſes, das ſeinen Urſprung weit hinauf in der Zeiten Frühe leitet, das den Ländern Dänemark, Schweden und Norwegen ſeine Könige, Schleswig, Holſtein und Oldenburg ſeine Herzoge gab und dem Czaarenreiche Rußland ſeine Kaiſer! Meine Großmutter brachte unſerm Hauſe eine Herzogs⸗ krone mit, meine Mutter eine Landgrafenkrone. Ich bin ein


