ſeln die Siegel umſchloſſen, welche den Pergamenten, an denen ſie befeſtigt waren, ihre volle Gültigkeit gaben.
Ein Diener riß die Thüre auf, und rief herein: Der Herr Haus⸗ hofmeiſter Ihrer Excellenz der Frau Reichsgräfin Wittwe!
Warten! antwortete kurz und raſch der Graf, und murmelte halb⸗ laut durch die Zähne: Hat es ſehr eilig, das ancien vögime!— Dann ſagte er laut: Nehmen Sie, Herr Hofrath Brünings, ein weng Akt von dem, was der Großbotſchafter der chére Grand Möre auszu⸗ richten und vorzubringen hat, und Sie, Herr Secretär Wippermann, thun, als haben Sie eine Schreiberei vor, und ſchreiben ein wenig nach, denn in unſern Angelegenheiten darf kein Wort auf die Erde fallen und verloren gehen. Es iſt die höchſte Zeit für uns, wenn wir nicht als Kirchenmäuſe aus unſern Herrſchaften davon ziehen wollen, die Neigungen der Frau Großmama anzunehmen und zu ſammeln, wenn auch nicht eben antike Münzen.
Nach dieſen Worten, welche offenbar eine gereizte Stimmung des Gebieters kund gaben, klingelte der junge Reichsgraf und Erbherr und der Diener öffnete dem Haushofmeiſter der alten Gräfin die Zimmer⸗ thüre. Der Angemeldete trat mit tiefem ehrerbietigen Gruße ein; ein Mann von mittler Größe, würdiger Haltung, bereits ergrautem Haar, von Geſichtsfarbe blaß und angegriffen ausſehend, und äußerſt fein gekleidet. Der Graf erwiederte die ehrfurchtsvolle Begrüßung des Dieners nur mit einer leichten Fingerbewegung nach dem Haupt, die Herren am Tiſche, welche bei ſelnem Eintritt aufgeſtanden waren, grüß⸗ ten ebenfalls ziemlich flüchtig, und warfen ſtechende, lauernde Blicke auf den Haushofmeiſter.
Nun— Herr Windt— guten Abend! Was bringen Sie? nahm der Gebieter das Wort.
Zuvörderſt, Excellenz! unterthänigſten Willkommengruß im edlen Herrenhauſe Varel Namens geſammter Dienerſchaft des Schloſſes und geſammter Einwohnerſchaft des Ortes, verſetzte der Haushofmeiſter in gebückter Haltung; dann ſich aufrichtend, ſprach er weiter: Ihre Excellenz, die verwittwete Frau Reichsgräfin laſſen Höchſtihnen durch mich Hochdero Freude ausdrücken und Dank ſagen, daß Excellenz auf Hochderen Erſuchen hierher gekommen ſind, und hoffen, es werde nun
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