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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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9. Ein Schiff vom Congo. 127

fühlte ein ganz beſonderes Herzklopfen, ich wußte nicht warum. Kurz darauf befahl Herr Naylor, Herr Tomſon und ich ſollten nach der Werfte hinabgehen, bei welcher das Schiff unterdeſſen angelangt war, und wegen der Landung der Sklaven das Nötige anordnen.

Ich blieb die ganze Zeit ruhig; es war mir aber, als ob etwas Beſonderes im Werke wäre. Als wir beim Schiffe ankamen, wurden die Sklaven gerade herausgeſchafft, und zur Hälfte waren ſie bereits gewaſchen und in den Schuppen untergebracht. Wir gingen dahin, um nach der Beſchaffen⸗ * heit unſerer Ladung zu ſehen, und kaum war ich mit Herrn Tomſon in das kleine Gebäude eingetreten, als ich meinen Namen nennen oder vielmehr ſchreien hörte, und in dem⸗ ſelben Augenblick hatte mich ein junges Weib mit ihren Armen umſchlungen und rief unaufhörlich:Zamba, lieber Zamba!

Im erſten Moment war ich, obgleich die Stimme mir mächtig ins Herz drang, ganz beſtürzt; als ich mich aber wieder erholte und dem Weib ins Geſicht ſah, ſo fand ich man kann ſich mein Erſtaunen denken daß es meine eigene liebe Zillah war, die einſt ſo ſtolze und glänzende afrikaniſche Prinzeſſin. Aber ach! wie verändert fand ich ſie, nicht ſowohl ihr Geſicht als ihre Kleidung und ihr Aus⸗ ſehen im allgemeinen! Sie hatte nichts als einen kurzen Unterrock, ein altes Sacktuch um den Kopf und ein zerknit⸗ tertes gedrucktes Halstuch über die Bruſt; freilich aber war ſie hinſichtlich der Kleidung noch beſſer dran als die meiſten ihrer Mitpaſſagiere. Ach, wo war nun das reiche und glänzende Gewand, in welches ich ſie in ihrer Heimat ge⸗ kleidet hatte? wo die vielen goldenen Ohrringe und Arm⸗ ſpangen, und die Halsſchnur von Perlen, um welche ſie manche europäiſche Fürſtin beneidet haben würde? Doch das