8. Eine Lebensrettung. 123
Ich dachte in der Stille über die Sache nach; aber gleich am nächſten Tage ſollte ich einen noch viel betrübenderen Auftritt mit anſehen. Als ich durch die Staatsſtraße ging, hörte ich aus einem Hofe heraus ein gellendes Geſchrei. Ich guckte durch einen Spalt in einem der Bretter des Zauns, und erblickte ein junges Negermädchen bis zur Mitte herab entblöſt, ihre Hände an einen Pfoſten gebunden, an dem man ſonſt ein Seil zum Wäſchetrocknen befeſtigte, und hinter ihr ein junges Frauenzimmer, das ſeinem Schlachtopfer mit einer gewöhnlichen Kuhhautpeitſche Hiebe aufmaß, bei deren jedem das Blut emporſprang. Um die Strafe noch herber zu machen, begleitete ſie jeden Hieb mit ſehr unanſtändigen Scheltworten:„ich will dir dafür thun, du konfuſer ſchwarzer Teufel, mir mein beſtes Mouſſelinkleid zu verbrennen; aber da haſt du eins und noch eins, und wann du je wieder ſo was thuſt, ſo laſſe ich dir bei lebendigem Leibe die Haut
abziehen.“ Der arme Tropf hatte, wie es ſcheint, beim Bügeln eines Kleides das Eiſen zu heiß gemacht, und dafür wurde ſie nun ſchlimmer als ein Hund behandelt.
Ich hörte, die Dame ſei ein Fräulein N. N., ein junges Frauenzimmer von zwanzig Jahren, ſehr ſchön, gebildet und reich und von den jungen Herren ſehr bewundert. Als ich einige Tage darauf am Hauſe vorbei ging, ſah ich ſie an einem offenen Fenſter ſitzen; ſie ſpielte auf dem Klavier, ſang mit einer wahrhaft melodiſchen Stimme und ſah aus wie ein Engel.
Dennoch iſt die Lage der Sklaven in der Stadt der auf dem Lande weit vorzuziehen. Dies geht ſchon daraus her⸗ vor, daß ein Herr, deſſen Sklave etwas verſehen hat, in der Regel gleich mit der Drohung bei der Hand iſt:„das nächſtemal, wenn du wieder ſo was thuſt, werde ich dich aufs Land verkaufen, du Spitzbube.“ Und dieſe Drohung


