122 8. Eine Lebensrettung.
eine junge Negerin am Arme feſthielt, während die andere kräftige Hiebe mit einer Kuhhautpeitſche auf das arme Mäd⸗ chen führte. Sie war nackt bis zur Mitte des Leibes, das Blut floß bei jedem Streich und auf herzerſchütternde Weiſe ſchrie ſie:„Maſſa, lieber Maſſa! Um Gottes des Allmäch⸗ tigen willen verzeihen Sie mir! Ich will's gewiß nimmer thun! Lieber Maſſa, hören Sie auf aus Barmherzigkeit, hören Sie auf!“ Ihr Schreien und Bitten war aber alles vergeblich, bis endlich das weiße Untier von Anſtrengung erſchöpft ſie gehen ließ. Bei näherer Erkundigung erfuhr ich, ſie habe dieſen Morgen, als ſie ihm den Kaffee kochte, irgend ein Ungeſchick begangen. Dieſen Mann nannte die Welt einen Gentleman, einen Ehrenmann! Er war ein Advokat, der eine beträchtliche Praxis in der Stadt hatte. Ich kann's nicht ausſprechen, wie mir beim Anblick dieſer Unmenſchlichkeit zu Mute ward, bei dieſer ſchauerlichen Ver⸗ letzung der Schamhaftigkeit und Zartheit des ſchwächeren Geſchlechts, dieſer ſchrecklichen Herabwürdigung der menſch⸗ lichen Natur.. Im Laufe des Tages erzählte ich Herrn Tomſon, was ich geſehen hatte.„O Zamba,“ ſagte er,„das iſt noch nichts gegen die Auftritte, die du jeden Tag ſehen könnteſt, wenn du auf einer der Landplantagen wäreſt. Die Stadtleute machen ſolche Dinge um des Anſtands willen und vielleicht auch, weil ſie etwas mehr Bildung haben, ſo ſtill als mög⸗ lich ab. Wollen ſie einen Sklaven züchtigen, ſo ſchicken ſie ihn in das Arbeitshaus oder Zuckerhaus, wie deine ſchwarzen Brüder es heißen, und dort bekommt der arme Tropf eine regelmäßige Tracht Schläge nach dem Geſetz, d. h. er darf nicht mehr als 39 Streiche am Einem Tage bekommen; und für dieſe Exekution muß der Herr des Sklaven einen halben Dollar bezahlen.“ 6


