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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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2. König Zembola und Kapitän Winton. 17

keinen Lehrer hatten, ſo waren die Töne, die ich oder mein Vater oder jemand von ſeinen Leuten ihr entlockten, keines⸗ wegs geeignet, Steine zum Tanzen zu bringen. Bei einer Gelegenheit jedoch, als ich die Violine in den Wald mitgenommen hatte, hatte ſie glücklicherweiſe die Wirkung, zu meiner großen Freude und Verwunderung einen ganzen Trupp Hyänen in die Flucht zu jagen. Endlich brachte dieſer Kapitän Winton eine kleine Drehorgel, die acht Me⸗ lodien ſpielen konnte; und nachdem er uns unterrichtet hatte, wie wir die Melodien wechſeln könnten, wurde dieſe Orgel für Fürſt und Unterthan zur unaufhörlichen Unterhaltung. Ich glaube, daß ſie ſechs Monate lang keine ſechs Minuten ſtille ſtand. Indeſſen, wie es mit allen Dingen geht, man wurde auch ihrer überdrüſſig und ſtellte ſie endlich auf die Seite. Doch weiter! Dieſer Kapitän Winton und ſeine Leute waren oft acht bis zehn Tage lang Bewohner des Palaſtes; da faßte ich manche engliſche Worte auf, und konnte bald an einer Unterhaltung in dieſer Sprache teil nehmen. Mein Vater bewirtete die weißen Leute ſehr gaſt⸗ freundlich, und unaufhörlich wurden Geſchenke gewechſelt. Als ein Beiſpiel von der Art und Weiſe, wie dieſer Handel geführt wurde, muß ich jedoch erwähnen, daß Kapitän Win⸗ ton für die Walzenorgel zwei hübſche Sklaven bekam.

Um ſich Sklaven zu verſchaffen, ging mein Vater von Zeit zu Zeit mit ſeinen regulären Kriegern auf einen Kriegs⸗ zug aus; d. h. er begab ſich nach einem entfernteren Teil des Landes, wo er Mittel und Wege fand, mit irgend einem weniger mächtigen Stamm Streit anzufangen. Dieſer Streit endete gewöhnlich damit, daß der ſchwächere Stamm eine

Anzahl von Sklaven als Löſegeld auslieferte; oder es kam

zu einem Gefecht, wo dann die ſtärkeren mit Gewalt nahmen,

was ſie wollten. Um jedoch meinem Vater Gerechtigkeit

Varth, Zamba.(3. A.) 2