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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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1. Zamba's Kindheit. 11

erſtenmal den Bogen ſpannen, und wurde bald geſchickt genug, um jedes kleine Tier in gewöhnlicher Entfernung zu Boden zu ſchießen. Meinen erſten großen Verſuch im Bogen⸗ ſchießen werde ich nie vergeſſen. Dicht an der öſtlichen Seite des Dorfes rauſchte ein ſchöner Fluß vorüber, der in den Gebirgen entſprang. Mehrere Meilen weit lief er durch ein liebliches Thal, in dem ſich Millionen Vögel und viele vierfüßige Tiere aufhielten. Unter dem Sand und Kies des Fluſſes fand man eine nicht geringe Menge Gold, be⸗ ſonders nach ſtarken Regengüſſen, wenn nämlich ſich jemand die Mühe gab, darnach zu ſuchen, denn, um die Wahrheit zu ſagen, meine Landsleute zeichneten ſich keineswegs durch fleißige Thätigkeit aus, ſo lange ſie nicht arbeiten mußten, und die Weiber hatten anderes zu thun. Oft ſpazierte ich am Bett dieſes Fluſſes hinauf, von einem oder zwei meiner Kameraden, zuweilen auch von einigen meiner Schweſtern begleitet. Wir pflegten an dem Fluß kleine Fiſche zu fangen, die wie Gold und Silber glänzten; zuweilen aber trafen wir auch andere, weniger luſtige Tiere an, z. B. kleine Schlangen und anderes ſchädliches Ungeziefer, während im Congoſtrom auch Krokodile von 1820 Fuß Länge und große Haifiſche waren. Indeſſen, obgleich viel Verkehr auf dem Waſſer getrieben wurde, und namentlich auf dem großen Strom, geſchah es doch ſelten, daß jemand ums Leben kam.

Eines Tages ging ich, begleitet von meiner Schweſter Lemba, die damals dreizehn, während ich elf Jahre alt war, mit Bogen und Pfeilen verſehen dem Fluſſe zu, in der Abſicht, einen längern Ausflug an ſeinen Ufern hin zu machen. Ungefähr eine Viertelſtunde das Thal hinauf war ein prächtiger Waſſerfall, und unſere Eltern hatten uns ſchon vorher gewarnt, nicht über denſelben hinauf zu gehen. Aber ein Verbot dieſer Art dient jungen Leuten oft nur zu