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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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1. Zamba's Kindheit.

erinnerte, an die mitternächtlichen Arbeitsſcenen in meinem Vaterhauſe, und an die einfachen, aber ausdrucksvollen und ergreifenden Geſänge, welche unwandelbar dieſelben begleiteten. Ich bin gewiß, daß ich mich aller wichtigen Vorfälle erinnere, die nach meinem ſechſten Jahr vorkamen. Um dieſe Zeit lehrte mich meine Mutter, jeden Morgen vor einem ſchauerlichen Götzenbild mich zu beugen, das in einem eigenen Zimmer des Hauſes aufgeſtellt war. Dieſes Götzen⸗ bild war ziemlich gut geſchnitzt und ſollte, glaube ich, den Teufel vorſtellen; es hatte ein breites Maul von einem Ohr zum ondern, lange Fangzähne und großmächtige, ſchielende Augen aus Edelſteinen; für ein kindliches Gemüt aber hatte es durchaus nichts Anziehendes. Die Worte, welche mich meine Mutter herſagen lehrte, waren nur ein paar eintönige Bitten an dieſes häßliche Ungeheuer, mir nichts zu leid zu thun, mich nicht zu verbrennen, mich nicht zu töten, nicht mit mir davon zu laufen. Es war ein Gottesdienſt der Furcht und des Schreckens, nicht der Liebe. In den erſten fünf oder ſechs Jahren meines Lebens durfte ich auf dem Boden umher rutſchen, oder laufen und ſpringen, ſo viel ich wollte; aber nie wurde mir erlaubt, die Einzäunung des Dorfes zu verlaſſen. Mein Vater, ein wenig ſtolz auf ſeinen wahrſcheinlichen Erben, hatte mich in ein rotes oder gelbes Gewand gekleidet, das um die Hüften 1 befeſtigt wurde und bis auf die Kniee hinabhing, ungefähr w.ie der Rock, den die Bergſchotten tragen. Auf dem Kopf hatte ich einen glänzenden Turban, mit ſchönen Federn von vaterländiſchen Vögeln verziert, und vorn mit einem oder zwei Edelſteinen beſetzt. Die Kleidung war leicht und luftig und ließ mir volle Freiheit, meine Gliedmaßen nach Herzens⸗ luſt zu üben. Im Alter von acht oder neun Jahren lernte ich zum