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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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1. Zamba's Kindheit.* 9

war die einzige, die einen Sohn gebar, und ſtund demzu⸗

folge in der höchſten Gunſt. Ich hatte neun Halbſchweſtern, und ſo viel ich mich erinnern kann, waren ſie alle ſehr freundlich gegen mich. Dies mochte teilweiſe in eigennützigen Abſichten ſeinen Grund haben, da ſie wußten, daß ich nach meines Vaters Tod ihr Schickſal in meiner Hand haben würde. Ubrigens waren ſie, abgeſehen davon, in der That von Natur recht gutmütig, und wirklich(wenn wir die grau⸗ ſamen und blutigen Auftritte überſehen, an die ſie durch die Landesgebräuche gewöhnt ſind) beſitzen die afrikaniſchen Frauen viel von der Milch der Menſchenfreundlichkeit; mehr als ein weißer Reiſender hat dies beſtätigt.

Ich muß jetzt auf frühere Umſtände zurückkommen. Der nachſichtige Leſer wird mir dieſe abſpringende und ungeregelte Schreibart zu gute halten, denn ich habe im Büchermachen keine Erfahrung.

Von den erſten drei oder vier Jahren meines Lebens kann ich mich nichts erinnern. Von der Zeit nach meinem vierten Jahr habe ich eine lebhafte Erinnerung daran, daß ich faſt jede Nacht nach einem langen Schlaf erwachte, und wenn ich aus meiner kleinen Krippe oder Bettſtelle, die an der Wand befeſtigt war, herausguckte, ſo ſah ich gewöhnlich meine Mutter und ihre vier Mitköniginnen nebſt einer an⸗ ſehnlichen Zahl von Dienerinnen mit Baumwollekämmen und Spinnen eifrig beſchäftigt: einige trieben auch die Weberei. Der Zeug, den ſie woben, war nicht viel über vier Zoll breit und in gewöhnlicher Feinheit; auch ver⸗ ſtanden ſie ihn zu färben, gewöhnlich mit blauer Farbe. Viele, viele Jahre nachher, als ich in Amerika wohnte, ſah ich zuweilen einige Stücke von dieſem Zeug, die aus Afrika kamen, und der Anblick derſelben trieb mir die Thränen in die Augen, indem er mich an die Tage meiner Kindheit