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1. Zamba's Kindheit. 7
den königlichen Gütern arbeiten; die 40 Mann aber, die ſein ſtehendes Heer bildeten, waren im allgemeinen faule Geſellen: ihre Arbeit beſtand faſt nur im Halsabſchneiden, im Anzünden feindlicher Dörfer und im Erhaſchen von Gefangenen.
Obgleich mein Vater in der Regel ſo despotiſche Ge⸗ walt über ſeine Unterthanen ausübte, ſo gab es doch Zeiten, wo eine große Vertraulichkeit zwiſchen König und Volk an den Tag kam. An gewiſſen Feſttagen und bei der Rückkehr von einem glücklichen Kriegszug mußte mein Vater große Nachſicht üben, namentlich gegen ſeine Kriegsleute. Ge⸗ wöhnlich bewilligte er ihre Forderungen mit gutem Anſtand, und ſchwärmte und tollte ſo gut wie einer von ihnen. Ich erinnere mich, daß einmal, als das Heer unter König Zem⸗ bola's Anführung zurückkam und 50 auserleſene Gefangene mitbrachte, eine ungewöhnliche Luſtbarkeit beſchloſſen wurde. Die Regulären wollten ſich mit nichts Geringerem für ihr Frendenfeſt zufrieden ſtellen laſſen, als mit dem königlichen Audienzzimmer; und in dieſes Staatsgemach wurde ſofort ein Faß Rum gebracht, nebſt andern Erforderniſſen zu einem tüchtigen Schmaus. Mein Vater beſtieg ſeinen Thron und hielt eine Anrede(die er aber nicht ablas, wie die Könige in Europa gewöhnlich thun, denn leſen konnte er nicht); beſagte Anrede wurde natürlich gewaltig beklatſcht. Buch⸗ ſtäblich überſetzt würde ſie etwa ſo lauten:„Meine wackern Knaben, höret mich! Ich bin ein großer, mäch⸗ tiger König; wer iſt größer denn ich! Die Sonne blickt auf mich herab und heißt mich Bruder, und der Mond ſcheinet mir. Küſſet meine Hand! Ihr ſeid lauter wackere Knaben, weil ihr meine Männer ſeid. Wir ſind ausgegangen, mit dem Muhla⸗Stamm zu fechten. Wir ſind lauter Löwen.“ — Großes Gebrülle!—„Die Muhlaleute ſind lauter


