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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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6 1. Zamba's Kindheit.

Das Dorf mit etwa ſechs Morgen anſtoßenden Landes war von ſtarken, bei neun Fuß hohen Paliſaden umringt, teils zum Schutz gegen plötzliche feindliche Anfälle, teils gegen die wilden Tiere, die bei Nacht zuweilen einen An⸗ griff auf das Vieh wagten, das deshalb bei Sonnenunter⸗ gang ins Dorf herein getrieben wurde. Hinter dem Dorfe erhob ſich das Land allmählich, bis es in der Entfernung einiger Meilen zu beträchtlichen Gebirgen emporſtieg. Etwa 200 Schritte hinter dem Palaſt war ein einſamer Hügel in Form eines Bienenkorbs, von der Ebene aus gerade emporſteigend.

Er hatte eine Höhe von 500 Fuß und eine halbe Stunde

im Umfang, ſein Gipfel war mit Bäumen bewachſen. Gerade am Fuß dieſes Hügels oder eigentlich Felſen, hatte die Natur einen 5 6 Fuß breiten Eingang gebildet; und wenn man ein paar Schritt vorwärts ging, trat man in eine weite Höhle, in welcher die ganze Bevölkerung von meines Vaters Königreich Platz hatte. Durch eine kleine künſtliche Nach⸗ hilfe war dieſe Höhle in eine Feſtung oder in einen Zu⸗ fluchtsort verwandelt; und da der Eingang durch ein Thor von eiſernen Stangen hinlänglich verwahrt wurde, ſo konnte eine kleine Zahl von Männern den Zufluchtsort von innen heraus verteidigen, ſo lange es nötig war. In dieſem Schlupfwinkel verwahrte mein Vater ſeine Schätze und Koſt⸗ barkeiten. Sie beſtanden hauptſächlich aus europäiſchen und amerikaniſchen Gütern, meiſtens Branntwein und Tabak, die er als Tauſchwaren für verkaufte Sklaven erhalten hatte; denn, um die Wahrheit offen und ehrlich zu ſagen, ſo war mein Vater nichts mehr und nichts weniger als ein Händler mit Fleiſch und Blut, ein Menſchenverkäufer. Uberdies war er auch ein bedeutender Landwirt und Viehhändler, aber nur um ſeinen Dienſtleuten Lebensmittel zu verſchaffen. Alle

ſeine Unterthanen mußten, ſo oft es verlangt wurde, auf