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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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1. Zamba's Kindheit. 5

über die andern Sitze ein wenig erhaben ſtand und mit einem Thronhimmel von Seide und vielen Zieraten von Gold und Silber geſchmückt war. Hier ſaß König Zembola bei beſonderen Veranlaſſungen, in einer Kleidung, die er aus verſchiedenen Klimaten und Nationen zuſammengeſtoppelt hatte, gewöhnlich in alten Militäruniformen, die mit nicht wenig Gold und Edelſteinen beſetzt waren, und rauchte aus ſeiner langen Tabakspfeife, während eine große Kryſtall⸗ flaſche mit franzöſiſchem Feuerwaſſer neben ſeinem Ellenbogen ſtand. In dieſer Weiſe entſchied er mit der äußerſten Kalt⸗ blütigkeit und Gleichgültigkeit Fälle, wo es ſich um Leben und Tod handelte, und ſprach Urteile, von denen nicht weiter appelliert werden konnte. Da habe ich geſehen, wie er an⸗ ſcheinend mit ganz ruhiger Faſſung ſeine Pfeife einen Augen⸗ blick aus dem Mund nahm, auf irgend einen armen Tropfen deutete, den er für todeswürdig hielt, und dem Hauptmann ſeiner Wache befahl, ihn hinauszuführen und in fünf Mi⸗

nuten ſeinen Kopf hereinzubringen. Geſagt, gethan. In der beſtimmten Zeit wurde der blutige Kopf am Fuße des Thrones niedergelegt und der Vollſtrecker des Befehls in der Regel mit einem Schluck Branntwein von den Händen Sr. Ma⸗ jeſtät ſelbſt belohnt. Ich kann nicht glauben, daß mein Vater von Natur einen Hang zur Grauſamkeit hatte; aber Erziehung und Gewohnheit können alles aus einem Menſchen machen. Wie andere Fürſten in größeren Reichen hatte mein Vater ein ſtehendes Heer, das freilich mit Einſchluß der Offiziere nur 40 Mann zählte. Wenn aber ſein Reich an⸗ gegriffen wurde, oder er einen Kriegszug unternehmen wollte, ſo konnte er in Zeit von einem Tage 150 ſtreitbare Männer zuſammen bringen. Seine regulären Truppen waren alle mit Musketen und Hirſchfängern bewaffnet; die übrigen bloß mit Speeren oder mit Bogen und Pfeilen.